Zukunftsvision Uni-Kindertagesstätte
©Universität Rostock
Autorin Susanne Gidzinski hat nachgehakt, was aus dem Vorhaben einer universitätseigenen Kita geworden ist.
Grafiken von Steffen Duerre – fffindling – Büro für Ideen  // Beitragsbild: ©Universität Rostock Titel: KESS-Zimmer

Nachdem das Thema über mehrere Jahre hinweg vernachlässigt worden war, haben sich die Universität, das Studierendenwerk und die Studentenschaft zusammengetan, um gemeinsam eine Strategie zu entwickeln, wie den Bedürfnissen studierender Eltern nachgegangen werden kann. Das Ziel: eine Kita für Studierende mit Kind.

„Familienfreundlichkeit und Universität Rostock gehören zusammen“, lautet es auf der offiziellen Internetseite der Hochschule. Im Mai 2016 schloss die Universität ein weiteres Mal das Zertifizierungsverfahren der „berufundfamilie Service GmbH“  ab, wodurch sie bis zum Frühjahr 2019 das Zertifikat „audit familiengerechte hochschule“ führt. Folglich ist eines der großen Anliegen der Universität, die Familiengründung und die Vereinbarkeit von Familie und Studium durch familienfreundliche Strukturen zu unterstützen. Trotzdem ist ein wichtiger Punkt nicht in der Zielvereinbarung zur familienfreundlichen Hochschule enthalten: eine Kindertagesstätte für Studierende mit Kind. Dabei hat eine Studierendenbefragung im Sommer 2017 ergeben, dass rund 4,9 Prozent der insgesamt 1159 Befragten eigene Kinder haben. Davon gaben 24,2 Prozent an, dass Pflichtveranstaltungen nur teilweise zu gesicherten Betreuungszeiten stattfanden. Weitere 12,2 Prozent teilten mit, dass dies überwiegend nicht der Fall war. 

Weil bislang aber sowohl auf Seiten der Universität als auch des Studierendenwerks Rostock-Wismar keine finanziellen Mittel zur Verfügung standen, wurde der Fokus auf andere Themen gelegt. Das soll sich jetzt aber ändern. Bereits Anfang Juni hat ein erster Workshop mit dem Studierendenwerk, der Universität und einzelnen Studierenden auf Initiative des Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) stattgefunden, um eine gemeinsame Strategie zu entwickeln, wie den Bedürfnissen studierender Eltern Rechnung getragen werden kann, wie Katja Pietsch, Sozialreferentin vom AStA und Kai Hörig, Geschäftsführer des Studierendenwerks Rostock-Wismar bestätigen. „Es gibt drei Wege, um das Thema anzugehen“, erklärt Hörig. „Entweder selber bauen und betreiben, bauen und betreiben lassen oder einen Kooperationspartner finden.“ Für letztere Option laufen bereits Gespräche zwischen möglichen Betreibern und der Universität. „Mit Ergebnissen und einem Anschluss-Treffen ist allerdings erst Anfang nächsten Jahres zu rechnen“, meint Pietsch. Hörig stimmt zu: „Für dieses Jahr sind die Sondierungsgespräche das Ziel. Wir haben auch eine grobe Vorstellung davon, wo eine Kita in Campusnähe entstehen könnte, doch Genaueres steht nicht fest. Außerdem erklärt der Geschäftsführer des Studierendenwerks, dass solch eine Kita spezifischen Kriterien entsprechen muss. So sollte beispielsweise das pädagogische Konzept an die Nutzungszeiten angepasst werden sowie die Möglichkeit von Teilzeitplätzen und Kurzzeitbetreuung gegeben sein. Damit auch ausländische Studierende vom Angebot profitieren können, sollte das Betreuungspersonal zudem über ausreichende Englischkenntnisse verfügen. „Unseren Erfahrungen nach haben die Kinder meist keine Schwierigkeiten mit der Sprache, doch die Eltern und Betreuer sollten sich auf Englisch verständigen können“, so Hörig.

Sowohl das Studierendenwerk als auch der AStA sehen einen dringenden Handlungsbedarf und begrüßen die aktuellen Sondierungsgespräche. Eine Kita für Studierende mit Kind ist ausdrücklich gewünscht. „Grundsätzlich wäre es aber noch besser, wenn nicht nur die Nöte der Studierenden, einen Betreuungsplatz zu finden, sondern für alle Bewohner unserer Stadt dieses Problem gelöst werden könnte, ohne dass sie in andere Stadtteile ziehen müssen“, sagt Pietsch. Dem kann Hörig nur zustimmen: „Meines Wissens nach sind in Rostock ausreichend Kitaplätze vorhanden. Sie sind nur ungünstig verteilt.“ Dabei sei besonders wichtig, dass kurze Wege gewährleistet würden und die Eltern nicht jedes Mal ans andere Ende der Stadt fahren müssen. Aus diesem Grund werde gemeinsam mit der Universität geplant, einen Standort in Campusnähe zu finden.

Neben dem Vorteil einer Betreuungsstruktur, die sich an den Bedürfnissen der Studierenden orientiert, sei auch ein immenser Vorteil für die studierenden Eltern dadurch gegeben, dass es einen zentralen Punkt geben wird, an dem man sich im Alltag kennenlernen und austauschen kann, meint Pietsch. „Die Zielgruppe ist derzeit kaum zu erreichen, da es keinen Ort gibt, an dem sich der Alltag Studierender mit Kind im Rahmen des Campuslebens widerspiegeln kann. Diese Gruppe der Studierenden ist kaum sichtbar und erreichbar.“

Aktuell bleiben den Studierenden mit Kind nur wenige Alternativen. Zwar gibt es eine Kooperation mit der Gesellschaft für Gesundheit und Pädagogik (GGP), die den Zugang zu einer Kindesbetreuung in einer Kindertagesstätte erleichtern soll sowie einen Babysitterservice, doch wirklich zufriedenstellend ist dies für viele Eltern nicht. So ist beispielsweise die gewöhnliche Kinderbetreuung nicht immer mit Block- und Wochenendseminaren vereinbar und auch die Kosten für den Babysitterdienst können nur für Mitarbeiter der Universität übernommen werden. Studierende bleiben oftmals auf den Kosten sitzen. Dabei haben sie meist generell schon weniger finanzielle Mittel zur Verfügung. „Unser Ziel ist es daher, unsere Kräfte zu bündeln und gemeinsam mit der Universität eine Lösung zu finden, die alle zufrieden stellt. Der Nutzen für die Studierenden steht dabei an erster Stelle“, erklärt Hörig. Weil solch ein Vorhaben jedoch nicht von heute auf morgen realisierbar ist, wird es wohl noch einige Zeit dauern, bis die Türen der Kindertagesstätte öffnen. „Vor 2020 oder 2021 wird wohl noch keine Kita stehen“, sagt Hörig weiter. „Wir werden diesen Weg aber Schritt für Schritt gemeinsam gehen, bis wir ans Ziel gelangt sind.“ Für viele Betroffene ist dies sicherlich nur ein kleiner Trost, doch positiv zu sehen ist, dass das Thema Kindertagesstätte nach all den Jahren endlich angegangen wird und zumindest in Zukunft mit einer geeigneten Lösung gerechnet werden kann. 

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