Urban Gardening – Gärtnerei-Tipps einer Laiin

Urban Gardening

von Hanna Birkenhagen // Illustration von Rosa Staiger

Meine Liebe zu Pflanzen hat sich schon vor einiger Zeit offenbart und lässt sich allein dadurch erkennen, dass mein Zimmer den tasmanischen Küstenorten in Sachen Luftqualität durchaus Konkurrenz machen könnte. Bogenhanf, Elefantenfuß, Efeutute, Monstera, Zamioculas… ich habe sie alle und würde behaupten, dass ich in Bezug auf Zimmerpflanzen einen ziemlich grünen Daumen entwickelt habe. Grün hinter den Ohren statt am Daumen bin ich allerdings auf dem Gebiet der Kräuter und Gemüsepflanzen, weshalb ich Euch hier an einigen meiner Erkenntnisse teilhaben lassen möchte:

Als im Frühjahr des letzten Jahres die Corona-Langeweile so richtig am Start war, habe ich – und ich bin mir sicher, dass ich damit nicht allein bin – ein neues Hobby ausprobiert, für das ich meine Wohnung nicht verlassen muss: Gemüseanbau. Motiviert bis in die Haarspitzen bin ich zum Baumarkt geradelt und war überwältigt von der Mannigfaltigkeit der Auswahl an Samentütchen. Blauäugig und übereifrig griff ich nach fast jeder Kräuter- und Gemüsesorte, die mir schmeckt und schleppte mich auf einem durch Töpfe und säckeweise Blumenerde überladenen Fahrrad zurück nach Hause. Mein heutiges Ich weiß: Was zu viel ist, ist zu viel.

Das erste Problem an meinem Vorhaben war, dass ich weder einen Garten noch einen Balkon habe. Ich hatte mir im Vorfeld allerdings einige Artikel durchgelesen und Videos angeschaut, in denen erklärt wurde, wie man Gemüse erfolgreich in der Wohnung anpflanzen kann. Das zweite Problem war dann, dass ich keine Südfenster habe. Meine Fenster gehen alle entweder Richtung Norden, was ja durch das Fehlen der direkten Sonneneinstrahlung ein vollkommen ungeeigneter Standort zur Pflanzenanzucht wäre, oder nach Osten. Dementsprechend entschied ich mich für das geringere Übel, also für die Fensterbänke meiner Ostfenster. Mein heutiges Ich weiß: Morgensonne reicht nicht aus.

Aber zu dem Zeitpunkt war ich noch guter Dinge und begann mit der Aussaat meiner Gurken, Tomaten, Erbsen, Paprikas, Kräuter und des Spinats. Natürlich hatte ich mir auch zu diesem Thema einige Informationen eingeholt und wusste genauestens Bescheid über die Aussaattiefe und Abstände zwischen den Pflänzchen. Erfahren, wie ich *nicht* war, hatte ich den grandiosen Einfall, mir ein paar Schritte des Umtopfens zu sparen und säte die Samen direkt in große Kübel, anstatt in kleine Anzuchttöpfe. Mein heutiges Ich weiß: Man sollte Gärtner*innen glauben.

Trotzdem durfte ich bald ein paar Lorbeeren ernten, denn zügig streckten viele kleine Pflänzchen ihre grünen Keimblättchen aus der Erde. Ich freute mir ein Loch in den Bauch und war wie euphorisiert der festen Überzeugung, dass ich das Spiel verstanden hatte. Munter und zuversichtlich wässerte ich täglich meine kleinen, chlorophylligen Freundinnen und beobachtete stolz, wie sie immer größer wurden. Eines Tages musste ich allerdings auch etwas anderes beobachten: Blattläuse und Trauermücken – und zwar viele. Ich recherchierte, wie man die Schädlinge bekämpfen kann und entschied mich für die unaufwendigste Variante, indem ich versuchte, sie mit dem Zerstäuber von den Blättern zu sprühen. Mein heutiges Ich weiß: Manchmal lohnt sich die aufwendige Variante.

Am Ende meiner ersten Gärtnerei-Periode konnte ich von einer mehr oder weniger stolzen Ernte von zwei Mini-Gurken und gerade so viel Basilikum, wie man für eine Portion Pesto benötigt, berichten. Gelernt habe ich aus diesem Testlauf vieles:

Zuallererst sollte man sich nicht übernehmen. Dadurch, dass ich mir direkt beim ersten Versuch sehr viele verschiedene Pflanzen mit sehr unterschiedlichen Bedürfnissen gekauft habe, konnte ich gar nicht allen gerecht werden. Und dann ist es leider einfach so, dass sich einige Pflanzen in der Wohnung nicht gut aufziehen lassen. Meine Paprikas sind zum Beispiel nicht über das Keimblatt-Stadium hinausgewachsen. Vielleicht sieht das anders aus, wenn man sich vorgezogene Setzlinge kauft, aber wenn man von Beginn an dabei sein möchte, gibt es einfach Pflanzen, mit denen das in der Wohnung nicht so einfach ist. Sehr gut funktioniert das Anpflanzen in Innenräumen – auch für Anfänger*innen – zum Beispiel bei Gurken, Spinat und vielen verschiedenen Kräutern. In diesem Jahr habe ich mich für meine zweite Gärtnerei-Periode auf wenige Pflanzen beschränkt und ausschließlich solche angepflanzt, die sich nach eigener Erfahrung und nach Profi-Meinung gut in der Wohnung ziehen lassen. Bisher fahre ich damit sehr gut.

Eine weitere Sache, die ich gelernt habe, ist, dass Sonne für Pflanzen nicht nur wichtig, sondern essenziell ist. Meine Fensterbänke zur Ostseite bieten zwar in den Morgenstunden direktes Licht, aber die Morgensonne ist noch sehr schwach und vor allem für Jungpflanzen von viel zu kurzer Dauer. Im letzten Jahr konnte ich beobachten, dass sie nur blassgrün gefärbt waren und wie die dünnen Stiele auf der Suche nach mehr Licht nur immer weiter in die Höhe wuchsen, anstatt kräftiger und breiter zu werden. Aus diesem Grund habe ich mir dieses Frühjahr eine LED-Pflanzenlampe für knapp 30 Euro gekauft, die über eine Zeitschaltuhr in den Mittags- und Abendstunden für das übrig benötigte Licht sorgt. Auch hier kann ich im Vergleich zum letzten Jahr einen positiven Effekt ausmachen, denn die jungen Pflanzen sind viel robuster und sattgrün gefärbt.

Dass Gärtner*innen mehr Ahnung von der Gärtnerei haben als ich, war mir auch schon vor einem Jahr bewusst, dennoch habe ich ein paar wichtige Tipps einfach ignoriert. Ein Hinweis, den man meiner Meinung nach auf jeden Fall befolgen sollte, ist das Aussäen in Anzuchttöpfen mit anschließendem, mehrmaligem Umtopfen. Jungpflanzen müssen zunächst in kleinen Töpfen vorgezogen werden, damit sich ihre Wurzeln kräftig entwickeln können. Wenn sie zu groß sind, werden sie in einen Topf mit mehr Fassungsvermögen umgesiedelt. Bei einigen Pflanzen, wie zum Beispiel Tomaten, können die Pflänzchen außerdem tiefer in die neue Erde gesetzt werden, um auch am Stiel das Wurzelwachstum anzuregen. Ich habe in diesem Jahr bisher einmal umgetopft und hatte dabei tatsächlich den Eindruck, dass die Wurzeln deutlich verzweigter und kräftiger waren.

Außerdem habe ich aus meinem Schädlings-Debakel des letzten Jahres gelernt, dass man gegen Blattläuse und Co. so früh wie nur irgendwie möglich vorgehen und dabei auch keine Mühen sparen sollte. Zwar sind meine Pflanzen in diesem Jahr noch nicht befallen, aber vorbeugend habe ich die frisch gekaufte Erde einmal stark austrocknen lassen und in größere Töpfe schon jetzt Klebfallen gestellt. Man kann nie vorsichtig genug sein.

Aber die wichtigste Lektion, die ich aus meiner bisherigen Zeit als Hobby-Gärtnerin mitgenommen habe, ist, sich über die kleinen Dinge zu freuen. Wenn Ihr mich dabei beobachten könntet, wie ich mich freue, wenn ich ein neues Blatt an einer Pflanze entdecke oder wie ich fest überzeugt beteuere, dass die Gurken aus meiner Wohnung die leckersten sind, die ich je gegessen habe, dann würdet Ihr mich vermutlich nicht ganz ernst nehmen können. Aber ist es nicht genau diese Überzeugung und dieser Enthusiasmus, der einen selbst (und die Pflanzen, haha) wachsen lässt? Ob das so ist, werden wir bei der Ernte sehen – ich werde Euch ein Update geben.

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