Von Vanessa Stöter
Heute gibt es einen besonderen Beitrag. Die Autorin versucht darin, auf poetische Weise einem altbekannten und allgegenwärtigen Problem Ausdruck zu verleihen…
Stummfilm, schwarz-weiß
Papa grient und Mama schweigt,
Während der Polizist sich zur Dame im Stummfilm neigt.
Sie lacht affektiert, überzeichnet, typisiert
Ein verstorbenes Gesicht in farbloser Rolle verschmiert.
Papa schnalzt, Mama und ich zwei blinde Flecken,
Sehen Show-Spieler
Und Rußmännchen, die sich hinter Uniformen verstecken,
Hände in Ausschnitte stecken, “liebevoll necken”
Und Grenzen in “made with love” Gläser einwecken.
Ich denke an Badboy-Goodgirl Kitsch,
vermarktete “Powerfrauen” mit pretty privilege
Denke an antifeministische Erinnerungskultur.
An schädliche Narrative –
An Wissen mit dem ich mich so oft brüste
Und sitze stumm hier, in mir ein Tunnel statt Initiative.
Ich bin Hochstaplerin, diplomatisch-verbrämt
Eine Frau, die auf Demos geht,
Und sich trotzdem wie ein kleines Mädchen
Vor ihrem Vater schämt.
