Zwischen Eishockey und Basketball, indigenen Ritualen und dem Ostseestrand – Lacrosse im Portrait

von Julian Gülch // Foto von Stefan Schröder

Wenn es darum geht, welche Sportart den Titel des „schnellsten Spiels auf zwei Beinen“ für sich beanspruchen kann, kommt den meisten Lacrosse vermutlich nicht als Erstes in den Sinn. Generell stellt diese Sportart hierzulande eher ein Randphänomen dar, das kaum Aufmerksamkeit erfährt. Das soll sich spätestens mit diesem Artikel ändern. 

Die Ursprünge von Lacrosse reichen bis ins 12. Jahrhundert zur indigenen Bevölkerung Nordamerikas zurück. Diese nutzte eine Frühform des Spiels, um Auseinandersetzungen zwischen Stämmen im sportlichen Spiel beizulegen – häufig mit mehr als 100 Teilnehmenden. Nicht ohne Grund wird das auch sonst durch Rituale kulturell fest verankerte Spiel als „kleiner Bruder des Krieges“ bezeichnet.
Einige Jahrhunderte später beobachten französische Missionare erstmals als Außenstehende ein solches Geschehen. Aufgrund der Ähnlichkeit der Schläger mit Bischofsstäben nannten sie das Spiel „la crosse“. Daraus leitet sich schließlich der heute geläufige Name Lacrosse ab. 
Weitere zweihundert Jahre später verbreitet sich Lacrosse auch außerhalb der indigenen Gemeinschaften in Kanada. Erste Vereine entstanden daraufhin und Lacrosse gewann zunehmend an Popularität, zunächst in Kanada und später auch in anderen englischsprachigen Ländern.
Nach einer zwischenzeitlichen Phase geringerer Aufmerksamkeit, erlebt Lacrosse in den letzten Jahren wieder einen Aufschwung als globales Phänomen. Ein deutliches Zeichen dafür ist die Wiederaufnahme in das Programm der Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles; nach über 100 Jahren. Gespielt wird dort die kompakte Sixes-Variante. 

Das oberste Ziel im Lacrosse ist es, den etwa tennisgroßen Gummiball im gegnerischen Tor unterzubringen. „Lacrosse ist quasi eine Kombination aus Basketball und Eishockey, weil es ein schnelles Spiel mit Schlägern wie im Eishockey ist und gleichzeitig stark taktisch geprägt ist, ähnlich wie im Basketball“, sagt Stefan Schröder, ehemaliger deutscher Nationalspieler und heute Trainer bei den Rostock Seals, dem hiesigen Lacrosse-Verein.
Verschiedene Varianten verleihen dem Sport eine zusätzliche Vielfalt. Neben Feld- und Hallenlacrosse gibt es auch Lacrosse Sixes, das sich durch weniger Spieler:Innen und eine kürzere Spielzeit als TV-taugliche Variation auszeichnet. Allen Auslegungen ist gemeinsam, dass auch das Spielfeld hinter dem Tor ins Spielgeschehen einbezogen werden kann, ähnlich wie beim Eishockey. 

Nach Schröder ist der Sport für Einsteiger:Innen gut geeignet, da es neben Neugier und der Bereitschaft, etwas Neues auszuprobieren, keiner weiteren besonderen Voraussetzungen bedarf. Bereits nach wenigen Trainingseinheiten seien deutliche Fortschritte spürbar, da sich Anfänger:Innen gerade zu Beginn schnell entwickeln. Im Unisportkurs werden Einsteiger:Innen spielerisch an die Sportart herangeführt und erlernen in einem ausgewogenen Mix sowohl taktische Grundlagen als auch praktische Fähigkeiten. Die Ausrüstung dazu wird zur Verfügung gestellt und daher sind keine Anschaffungen für Interessierte notwendig. 

Darüber hinaus zeichnet sich Lacrosse durch viel Action auf dem Spielfeld sowie einen starken Zusammenhalt innerhalb der Lacrosse-Community aus. Im Sommer gehe es nach dem Training beispielsweise oft gemeinsam in die nahgelegene Ostsee, berichtet Schröder. Außerdem wird jährlich ein in dieser Form deutschlandweit einzigartiges Strandlacrosse-Turnier in Warnemünde ausgetragen. 


Wer sich selbst ein Bild von Lacrosse machen möchte, kann bei den Rostock Seals im Training vorbeischauen. Auf der Website https://rostockgriffins.de/lacrosse-seals/ finden sich die aktuellen Termine für offene Trainingseinheiten, die etwa alle zwei Monate stattfinden. Alternativ werden auch Unisportkurse angeboten. Diese bieten eine gute Gelegenheit, den Sport gemeinsam mit anderen Anfänger:Innen auszuprobieren und herauszufinden, ob Lacrosse zurecht als „schnellstes Spiel auf zwei Beinen“ bezeichnet wird. 

 

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