Auf einen Plausch mit dem Staatssekretär für Forschung, Technologie und Raumfahrt

Der heuler beim University: Future Festival

Ein Erfahrungsbericht von Vanessa Stöter / Fotos: Vanessa Stöter und Hochschulforum für Digitalisierung

Mitheulen statt Rumflennen – am Kreuzberg in Berlin auf der Hauptbühne des University: Future Festivals – dem „größten und innovativsten Hybrid-Event seiner Art“. Mit von der Partie: inspirierende Vorträge von Speaker:innen wie Astronautin Rabea Rogge, ein Plausch am Bühnenrand mit Dr. Rolf-Dieter Jungk (Staatssekretär im Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt), zugesteckte Visitenkarten und ein Mittagssüppchen mit Lehrpersonen, Studis und Forscher:innen aus ganz Deutschland!

Für mich bedeutete der Besuch dieses Events vom 22. bis 24. Juni einen Sprung ins kalte Wasser. Doch behaupte ich, dass sich dieser Sprung gelohnt hat. Mehr noch: vielleicht wird zukünftig ja der ein oder andere Studi an der Seite des heulers Freiwasserschwimmer:in ähnlicher Art. Denn wie reichhaltig an Input und niederschwellig im Zugang das Festival war, davon möchte ich berichten …

Studentische Couchpotato Under Pressure

Was zieht man als Sprecherin auf einem Festival an? „Festival“ – das klingt sommerlich aber legère. Zugleich handelt es sich bei dieser speziellen Art von Festival laut Eigendefinition des U:FF um eine Reihe an „Leitveranstaltungen zur Digitalisierung in Studium und Lehre Orientierung, Vernetzung und Inspiration“. Das wiederum hat etwas elitäres, um nicht snobistisch zu sagen.

Das U:FF sei communityorientiert, hieß es auf der Website. Wie kleidet man sich für ein derartiges Event? Was ist angemessen? Tut’s ein Kleid? Oder doch eher Bluse und Rock? Oder gar ein Jumpsuit? „Zieh etwas an, womit du dich wohlfühlst“, sagt sich im Alltag leicht, doch als Vertreterin deiner Uni, deines Amtes und als Repräsentantin deiner Selbst kommt man in Anbetracht dieser Fragen leicht ins Schwimmen.

Während ich nun also überlege, wie ich eine Bluse ohne Falten im Rucksack nach Berlin transportieren soll, flötet mir ein Würmchen die erste Strophe eines allzu bekannten Queen Songs ins Ohr: Pressure, pushing down on me …

Seit ich das Thema des diesjährigen U:FF auf der Website gelesen habe, ist der Song im Alltag präsent: Under Pressure.

Druck sei die heutige Realität der Hochschulen: „finanzieller Druck, technologische Transformation, gesellschaftliche Spaltung und demographischer Wandel sind nur einige der Herausforderungen“. Statt diese auszublenden, werden sie nicht nur ins Bewusstsein, sondern auf die Bühne gerückt. „Denn Druck kann auch Treibstoff sein.“ Problemergründung und Lösungsorientierung steht im Fokus der diesjährigen Eventreihe.

Thematisch und inhaltlich freute ich mich auf das Festival. Es versprach Möglichkeiten, die mein geliebtes, aber doch auch etwas knauseriges Studium der Geisteswissenschaften bislang nicht abdeckt: die Notwendigkeit von Future Skills mitsamt Perspektive auf Forschung und aus der Forschung. Traditio et Innovatio sei die Kombination, die unsere Universität uns für gelingenden Erkenntnisgewinn ans Herz legt. Doch versucht man die Brücke zu schlagen, aus bekannten Lehrformaten in neue aus Eigeninitiative heraus, kann es wackelig werden.

„In Drucksituationen wird sichtbar, was Hochschulen resilient macht“. Die Aussicht auf Innovatio in Form von externen Veranstaltungen, fern dem Ulmencampus, bekannten Dozierenden und befreundeten Kommiliton:innen verunsichert. Hinter Gedanken wie „Was ziehe ich an?“ steckt mehr als die Sorge um einen unausgesprochenen Dresscode: Wann immer wir uns als Studi aus den gewohnten Gemäuern unserer Universität in die Gefilde der Forschung außerhalb des bekannten Standortes wagen, sind wir mit unbekannten Variablen konfrontiert. In welchen Codes bewege ich mich? Welche Erwartungen könnte ich brechen? Zugleich das quälende Imposter-Syndrom: Bin ich dort richtig, wenn ich schon hier beim Blick in den Kleiderschrank mit mir hadere? Bislang habe ich mich als recht initiativen Menschen wahrgenommen, insbesondere dank heuler-Kontexten. Doch im Rahmen meines Kurztrips nach Berlin war auch ich kurz mit meiner inneren Couchpotato konfrontiert, die sich hinter bekritzelten Tischen im Audimax doch etwas sicherer fühlt als auf der Garden Stage eines ihr fremden Events.

Crashkurs U:FF

Nähern wir uns dem University:Future Festival wie einem Simple Club Video: Zunächst mit den Basics, bevor wir thematisch einsteigen und hinter die Kulissen schauen. Was ist das U:FF? Wofür steht es und was unterscheidet das Festival von einer Hochschulmesse? Alle wichtigen Infos im Überblick:

  • zentrale Veranstaltung zur Zukunft akademischer Bildung
  • findet jährlich statt, jeweils mit einem thematischen Fokus (Beispiele: 2025 mit imagine und 2026 mit Under Pressure)
  • Tickets waren bislang stets kostenlos und online verfügbar
  • Tickets gelten für jegliche Präsenzveranstaltungen an den (in diesem Jahr) sechs Standorten Berlin, Braunschweig, Hamburg, Nürnberg, Graz und Essen
  • mit Erhalt eines Tickets Zugang zur U:FF Plattform, wo jegliche Panels, Diskussionen und Talks live gestreamt und als hybride Veranstaltung mit Chat für anschließendes Q&As zur Verfügung stehen
  • das Programm erstreckt sich über Themen wie Infrastruktur, Didaktik, KI, Future Skills, Inklusion, Strategieprozesse und Co.

Gliederung der Programmpunkte:

🚨Fringe: Unerwartete Verbindungen, kontraintuitive Thesen oder radikale Format‑Experimente

🔄Fail & Learn: Gescheiterte Projekte, aus denen sich Do’s und Dont’s ableiten lassen

🌍Global Perspectives: Ideen, Perspektiven und Erkenntnisse aus dem Ausland, die für die DACH-Region wertvoll sind

📚Student Voices: Beiträge von Studierenden

🌱Ökologische Nachhaltigkeit: Beiträge mit einem ökologischen Ansatz

Im Vergleich zu einer Hochschulmesse bietet das Festival neben einem Ausstellungsbereich und Bühnen auch Bereiche zum Ausruhen, zum Vernetzen oder zum Arbeiten. Ob nun an der Bar, im Gartenbereich, im Liegestuhl oder am Stehtisch: Das Gelände war nicht überfüllt, aber stets gut besucht. Meine Sorge um soziale Überstimulation und snobistische Begegnungen mit Performance Druck wurden abgelöst von schattigen Spaces für Input und Erholung gleichermaßen. Schon am Einlass fiel der Druck ab, der sich während meiner Anreise aufgebaut hatte. Ich wurde direkt mit einer Karte begrüßt, die mich als Gast und Speakerin auswies. Während ich eincheckte, deutete eine Frau mit Crew-Shirt auf meine Handtasche und sagte „Cooles Oberteil, mag ich gerade in Kombination mit deiner Tasche!“ Ich lachte (nicht ohne Erleichterung) und antwortete: „Freut mich, dass du das sagst. Ich war unsicher, was ich heute zu erwarten habe. Der Anlass und das Programm sind wirklich seriös und haben etwas Eloquentes. Ich hatte allerdings etwas Sorge, dass es zugleich elitär werden könnte. Aber die Atmosphäre hier ist ja doch angenehm locker.“ Sie reichte mir meine Karte und nickte lächelnd: „Freut uns, dass das Eis gebrochen ist. Natürlich hoffen wir, dass unser Input und Programm etwas hermachen. Wir sind sehr stolz auf unsere Speaker:innen, gerade in diesem Jahr.“

Der Anspruch ist: Eloquent aber nicht elitär. Nicht nur auf dem Papier glänzten Awarenesskonzept und diverse Themenschwerpunkte mit Attraktivität. Was vielversprechend wirkte, hatte auch Bestand. So konnte ich mich auf die Erfahrung einlassen, ging neugierig nach Tag 1 ins Bett und startete mit einem aufgeregten Grundgefühl in Tag 2 – den Tag unseres eigenen Bühnenauftritts – ganz ohne Angst.

Mitheulen statt Rumflennen – auf der Garden Stage

„Mit uns statt über uns – wir vom heuler nennen das Mitheulen statt Rumflennen!“ Mit diesen Worten eröffnete ich den Teil meiner Präsentation. Gemeinsam mit Kai Löser, unserem Dozenten des Blockseminars Studierendenperspektiven auf KI – ein Booksprint stellte ich eine Lehrveranstaltung vor, die ich gemeinsam mit unserer Chefredakteurin Joanna Fackendahl als Tutorin begleitet habe. Als hochschuldidaktischer Inputvortrag sollte unsere Session Anreiz bieten, um das Format auch an anderen Hochschulen und Bildungseinrichtungen populär zu machen. Wir als heuler boten und bieten das Publikationsorgan des vorgestellten Booksprints (ihr könnt euch im nächsten Heft auf eine Sonderausgabe freuen!).

Der Vortrag selbst widmete sich partizipativen Schreibformaten, in denen Future Skills wie digitale Souveränität, Teamarbeit und KI-Einsatz reflektiert und zu Beiträgen für die Studierendenschaft und Universität verarbeitet werden.

Es gab einen Soundcheck, ein Briefing für die Bühnentechnik sowie einen Austausch mit der Moderatorin Linn Friedrichs. Anschließend ging es auf die Bühne. Wir wurden vorgestellt, hielten den entsprechenden Vortrag und blieben anschließend für ein Q&A des Live Chats im Gespräch. Die halbe Stunde Bühnenzeit verging rasanter als erwartet. Ich war regelrecht in der Zone. Erst als ich die Bühne verließ, eine Packung U:FF Popcorn in die Hand gedrückt bekam – „für eine Knaller-Session“ – und der Fotograph uns ablichtete, während Interessierte Visitenkarten aus den Taschen zogen und Nachfragen zum heuler und Details des Booksprints stellten, kehrte die Aufregung zurück. Ich war überrascht von dem Fachwissen und der zugleich positiven Resonanz, die wir erfuhren.

Im Anschluss nahm ich die Vorträge anderer Studierenden noch bewusster wahr. Ob als Gast in einer Panel-Diskussion oder mit Eigenbeiträgen zu Herausforderungen oder vorgestellten Forschungsbeiträgen: Es fanden sich Interessierte aus jeder Altersklasse, Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen und Berufen und ohne Überheblichkeit. Wer ein Ohr sucht, das Studierenden zuhört, wie auch Forschenden und Lehrpersonen, erfährt im Rahmen des U:FFs eine wertvolle Bühne.

Es treffen vernetzte Visionäre aufeinander, die etwas bewirken wollen, das Hand und Fuß hat. Die Moderatorin sprach stets eine Einladung aus, nach der jeweiligen Session für weitere Gespräche auf Speaker:innen zuzugehen. Am 22. Juni war ich diesbezüglich noch etwas zögerlich, doch traute ich mich am 23. Juni dann, mit Sprecher:innen in den Austausch zu kommen. Beiträge, die für mich persönlich im Rampenlicht standen, waren unter anderem von folgenden Vortragenden:

  • Dr. Rolf-Dieter Jungk (Staatssekretär im Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt)
  • Rabea Rogge (Astronautin, Robotikforscherin und Expertin für Exploration in extremen Umgebungen) – (hier habe ich hybrid per Stream eingeschaltet, da sie am Standort Braunschweig auf der Bühne stand)
  • Ulf-Daniel Ehlers — Professor für Bildungsmanagement und Lebenslanges Lernen (www.dhbw.de), Scientific Director der NextEducation Research Group (www.next-eductaion.org), DHBW Beauftragter für Innovative und digitale Lehre (www.dhbw.de), Vorstand der Future Skill Alliance e.V.
  • Florian Rampelt (Leiter des Programmbereichs Future Skills & KI im Stifterverband)

Studieren ist ein Privileg

Was nehme ich nun also aus dieser Erfahrung mit? Das U:FF ist eine tolle Möglichkeit, um zu lernen, sich auszutauschen und Forschungsergebnisse hautnah von genau jenen Menschen zu erfahren, die sich dafür begeistern. Zwar kann das Gefühl von Autorität einschüchternd wirken, doch tut das Team vom U:FF sein Möglichstes, um Barrieren niederschwellig zu halten.

Sowohl die Unterkunft als auch die Anreise wurden mir erstattet, sodass ich weder für das Tickt noch die Übernachtung Geld bezahlen musste. Ich finde, es verdient große Anerkennung, dass diese Form von Bildung dermaßen zugänglich gemacht wird. Für all jene, die nun also interessiert sind am U:FF: schaut gerne auf der Website https://festival.hfd.digital/de/ vorbei. Dort gibt es einen Recap der diesjährigen Festivaltage. Außerdem wird der Großteil der Veranstaltung innerhalb der nächsten Wochen auf YouTube zur Verfügung gestellt. Es lohnt sich auf alle Fälle, dort hineinzuschauen und im Bereich Future Skills, Didaktik, Bildungspolitik und Co. fitter zu werden!

Mit Blick aufs kommende Jahr möchte ich zudem jedem Studi ans Herz legen: schaut euch um. Wir als Studierende neigen dazu, einfach den Modulplan abzuarbeiten und recht engspurig den vorgeschriebenen Weg zu fahren, den unsere SPSO uns vorgibt. Daran ist nichts verwerflich. Zusätzlich lohnt nichtsdestotrotz ein Blick über den Tellerrand: Wir studieren, um Erkenntnisse zu gewinnen. Wir studieren nicht um Human Capital auf dem Arbeitsmarkt zu werden. Im Rahmen von Bildung und Aufklärung bilden sich nicht allein Karrieren, sondern Persönlichkeiten. Im Rahmen des Panels „Was müssen wir lehren? Lernziele in KI-Zeiten“ bestand der Appell der Session-Speakerin Anna-Maria Karl in der Aussage: „Egal in welcher Lebensphase: lernen, lernen, lernen.“ Wandel kommt, das ist unvermeidbar, doch sollten wir statt Ohnmacht Partizipation fördern und aktiv werden. Wir brauchen Anschlussfähigkeit zwischen Generationen und Berufsfeldern. Wir brauchen Diskurse, in denen auch wir Studis auftreten mit starken Stimmen und Engagement. Auch unter Druck.

Ich bin ehrlich: Wäre es nicht für den heuler gewesen, hätte auch ich die Reise nach Berlin ausgeschlagen. Das Heft in meiner Tasche und das Notizbuch in der Hand haben mir Halt gegeben. Umso wertvoller war die Erfahrung schlussendlich. Falls also auch du Interesse hast an Themen, die die Zukunft von Bildung betreffen, zeig dich und nimm die Chancen wahr, die sich dir bieten. Gemeinsam mit Kommiliton:innen, alleine, mit einem Vortrag im Gepäck oder ohne. Mir persönlich halfen die Worte unserer Social Media Ressortleitung Ronja Wunderlich: „Geh einfach als die Studentin, die du bist. Niemand dort wird von dir verlangen, etwas anderes zu sein. Und genau das ist das Gute daran.“ Sie hatte Recht und das Wissen um die Wertigkeit der eigenen Perspektive hat mein Selbstbewusstsein als Studentin durchaus gestärkt. Falls du dir ähnliches wünschst, aber dich die Autorität der Veranstaltung verunsichert: lass dich doch gerne entsenden als freie:r Autor:in: im Rahmen des heulers beispielsweise! Gemeinsam mit einer Redaktion im Rücken heult es sich eben doch leichter als allein.


Verweise:

Website des U:FF sowie während der Sessions in Präsenz und online (University:Future Festival 2026 )

Bildnachweis:

Titelbild „IMG_8003“ von Hochschulforum Digitalisierung, CC BY 4.0;
„<a href=“https://www.flickr.com/photos/hfddigital/55358622253″ title=“IMG_8003″>IMG_8003</a>“ von <a href=“https://www.flickr.com/photos/hfddigital/“>Hochschulforum Digitalisierung</a>, <a href=“https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de“ rel=“license noopener noreferrer“>CC BY 4.0</a>

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