„Ein Leben zwischen geil und scheiße“ — Monchis Kampf gegen sein Übergewicht

Monchi

Rezension zu „Niemals satt: Über den Hunger aufs Leben und 182 Kilo auf der Waage“

Von Sabrina Scholz // Foto von Dorit Gätjen

Laut, direkt und das Herz auf der Zunge – so kennen wir Monchi, den Frontmann der Punkband Feine Sahne Fischfilet. Das findet sich auch in seinem Buch „Niemals satt“ wieder, in dem der 34-Jährige über sein Übergewicht und den Verlust von 65 Kilogramm Körpergewicht schreibt. Seit Anfang April ist Jan Gorkow, wie der Sänger mit bürgerlichem Namen heißt, unterwegs in Deutschland, um seine Geschichte zu erzählen. Die Lesetour begann im Rostocker Volkstheater vor ausverkauften Rängen und das heuler-Magazin war dabei.

Mit einem Ständchen begrüßt Monchi das Publikum, wie es sich wohl für einen Sänger gehört. Die Menge jubelt und Monchi strahlt. Alles beim Alten, würde man meinen. Doch heute geht es nicht um ein Punkrockkonzert. Monchi steht jetzt als Autor vor den Zuschauer:innen und liest sein selbstgeschriebenes Buch vor – zunächst etwas hastig, später in einem angenehmen Sprechtempo. Auf der Bühne des Volkstheaters stehen unterschiedliche Sitzmöglichkeiten. Auf einigen konnte Monchi damals aufgrund seines Gewichts nicht mehr sitzen, wie auf den billigen Plastik-Gartenstühlen. Auf anderen saß er sehr gerne, um sein Buch zu schreiben, wie auf dem alten Sessel seiner Oma. Außerdem steht dort eine Badewanne, in welcher der Autor bei seinem Schreibprozess oft lag. Für eine Leseprobe direkt aus der geliebten Wanne zieht Monchi für das Publikum blank – bis auf die Unterhose. Das führt zu heiterem Gelächter bei den Zuschauer:innen und Monchi selbst. Jetzt wirkt er gelöst und fängt an, zu erzählen.  

Das Buch beginnt mit einem prägenden Ereignis aus seinem Leben. Es ist Ende 2019 und das große Tourfinale eines ereignisreichen Jahres steht an. Kurz vor dem Gig sieht sich Monchi in einer Umkleidekabine um und entdeckt eine Waage. „182 Kilogramm“ stehen auf der Anzeige. Der Sänger, der sich nie viel aus seinem Gewicht gemacht hat, scheint aber dann doch schockiert zu sein. Der Erfolg der Punkrockband und der viele Stress haben ihm zu schaffen gemacht und ließen ihn ständig zu ungesundem Essen greifen. Das sei „ein Leben zwischen geil und scheiße“, wie es der Frontsänger selbst bezeichnet. Im darauffolgenden Jahr und während der Corona-Zeit nimmt sich Monchi eine Auszeit, fokussiert sich auf die Ernährung und beschreibt seine Erfolge und Rückschläge während des Abnehmens. Neben seinen Erfahrungen erzählt der gebürtige Neubrandenburger viele Anekdoten aus seinem Leben: Geschichten aus der Kindheit, seine Liebe zum FC Hansa, Schlägereien mit Nazis und Morddrohungen.

 „Niemals satt“ soll kein Fitnessratgeber oder Siegerbuch sein. Es ist die ehrliche Geschichte eines Mannes, der sich mit seinen Problemen und Ängsten auf teilweise humoristische Art auseinandersetzt. Monchi nimmt uns auf 320 Seiten mit in die Welt des Rockstarlebens, welches durch Höhen und Tiefen, Konzerte, Partys, Exzesse und dem Fressen geprägt ist. Der Erfahrungsbericht ist mitreißend und überhaupt nicht langweilig. Die kleinen Anekdoten sind aus dem Leben gegriffen, wirken authentisch und nicht gezwungen. Alles ist so in Monchis Leben passiert und als Leser:in bekommt man einen guten Eindruck von der Gefühlswelt des Sängers. Außerdem nimmt der 34-Jährige kein Blatt vor den Mund, versucht gar nicht erst, seine Sprache zu verstellen und schreibt, wie er denkt. Die Schimpfwort-Dichte dürfte daher etwas höher sein, als bei anderen Büchern. Die Lesungen oder Leseproben von Monchi sind ebenfalls zu empfehlen, weil der charmante, norddeutsche Dialekt erst durch das Vorlesen richtig zur Geltung kommt. Insgesamt ist das Werk lesenswert, weil es nicht nur das Abnehmen, sondern auch die Selbstliebe und die Bedeutung der Familie thematisiert.

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