Der schmale Grat zwischen Perfektionismus und selbstgeschaffenem Leistungsdruck

"that"-Girl

Von Annabell Kretschmer // Illustration von Josephin Bauer

Der sogenannte ‚that‘-Girl Trend ist aktuell auf allen Social-Media Plattformen zu finden. Er hat im April 2021 auf TikTok begonnen und thematisiert junge Frauen, die ihre tägliche Routine teilen. Mittlerweile wird dieser Trend aber in den Medien kritisch betrachtet. In diesem Artikel erfahrt ihr, was genau dahinter steckt und warum er gefährlich sein kann.

Wie sieht die tägliche Routine eines ‚that‘-Girls aus?

Ein typisches ‚that‘-Girl steht jeden Tag sehr früh auf und schläft auch am Wochenende in den seltensten Fällen aus. Während der durchschnittliche Mensch zum Handy greift, stehen ‚that‘-Girls sofort auf und beginnen ihren Tag mit gesunden Routinen, z. B. mit einem grünen Smoothie oder einem gesunden und ausgewogenen Frühstück – dazu gibt es zwei Liter eiskaltes Zitronenwasser.

Auch Sport gehört zur Morgenroutine, dabei bleibt es dem ‚that‘-Girl offen, ob sie Yoga macht oder ein Workout. Falls die Girls morgens aus irgendeinem Grund keine Zeit haben sollten, kann die Sporteinheit auch später nachgeholt werden, aber einmal täglich gehört auf jeden Fall dazu.

Nebenbei führt ein ‚that‘-Girl auch ein Journal oder Tagebuch, in dem sie ihren weiteren Tag plant und ihr Verhalten und die vergangenen Tage reflektiert. Mithilfe einer Dankbarkeitsliste, To-Do-Liste und einer Liste mit positiven Affirmationen versucht sie, eine ausgeglichene Person zu werden.

In ihrem weiteren Alltag ist sie stets sehr produktiv und vermeidet jegliche Prokrastination. Das spiegelt sich auch in ihrer Wahl an Hobbys wider, z. B. liest ein ‚that‘-Girl in ihrer Freizeit häufig sinnvolle und weiterbildende Bücher.

Warum wird dieser Trend wiederholend in den Medien kritisch gesehen?

Als ich das erste Mal über den ‚that‘-Girl Trend gestolpert bin, beachtete ich noch nicht, was genau dahinter steckt. Die Videos wirkten ästhetisch ansprechend auf mich. Doch als ich verstand, dass unter anderem die tägliche Routine ein großer Bestandteil dieses Lebensstils ist, befand ich mich selbst in einem kleinen Zwiespalt. Besonders in meiner Prüfungsphase benötigt mein Körper eine gewisse Routine, deshalb ist dieser Trend immer wieder ansprechend für mich in solchen Situationen. Doch als ich mich zum ersten Mal genauer damit auseinandersetzte, wurde mir bei der Recherche klar, was wirklich hinter einem solchen routinierten Alltag steckt.

Eine Vielzahl kritischer Artikel und YouTube Videos erwähnen im Zusammenhang mit dem Trend Begriffe wie ‚Toxische Produktivität‘ und ‚Unrealistischer Perfektionismus‘. Das Ziel der eigenen Selbstoptimierung kommt mit negativen Seiten daher.

Die Routine, die schon wie eine Schablone für Frauen dient, kann bei den Beteiligten zu einem enormen Leistungsdruck führen. Jede Frau bemüht sich stark, die geschaffenen Routinen einzuhalten, auch wenn sie aus verschiedensten Gründen nicht in der Lage dazu ist. Der entstehende Druck kann sich auf die eigene mentale Gesundheit auswirken, da man sich selbst nicht so perfekt wahrnimmt wie andere. Selbstoptimierung kann sich durchaus schädlich auf unser Leben auswirken, vor allem wenn sie zwanghaft wird.

Falls ihr mehr zu dem Thema wissen, findet ihr hier Links dazu. Auch die Redaktion hat sich vorgenommen, diesen Trend auszuprobieren und die Beteiligten wollen dazu ebenfalls ein Feedback geben.

Quellen:

Dieser neue Wellness-Trend setzt Frauen ordentlich zu

„That Girl“-Trend: Warum zu viel Positivität das Selbstwertgefühl der Gen Z zerstören kann

What Does It Mean To Be „That Girl“?

let’s talk about ‚that girl‘

Becoming „That Girl“ is more DANGEROUS than you think!!! (Vanessa Tiiu Guide Review)

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