Von Janne Döscher
Zu Beginn gibt es den Disclaimer, dass ich als Autor des Artikels auch Vorsitzender des StuRa-Wahlausschusses war. Damit oblag es den Ausschussmitgliedern und mir, die StuRa-Wahl zu organisieren. Der direkte Einblick ermöglicht detaillierte Analysen, muss aber bei Lektüre des Artikels bedacht werden.
Die StuRa-Wahl ist zu Ende. Mit 16,22 % Wahlbeteiligung, 49 gewählten StuRa-Mitgliedern sowie 9 Ersatzmitgliedern wird der 37. StuRa im Oktober 2026 in die neue Legislatur starten. Wir wollen nun dieses Ergebnis einordnen und detaillierter in die Auswertung gehen. Am Anfang steht, wie auch im letzten Artikel zur StuRa-Wahl 2025, die Frage, welche Wirkung dieses Ergebnis auf die Arbeit der Studierendenvertretung hat.
Kandidaturen und Sitzverteilung
Der StuRa setzt sich aus Studierenden aller Fakultäten zusammen. Dabei besitzt der StuRa fest 55 Sitze und jede Fakultät ist mit mindestens einem Sitz fest vertreten. Die restlichen Sitze werden nach Anzahl der Studierenden in der jeweiligen Fakultät verteilt. Dadurch erhält die PHF als größte Fakultät 14 Sitze und die THF als kleinste Fakultät nur 2 Sitze.
Ziel jedes Wahlausschusses ist es, dass in jeder Fakultät die zur Verfügung stehenden Sitze mit Kandidaturen besetzt sind – im besten Falle kandidieren mehr Studierende als Sitze zur Verfügung stehen. Warum das wichtig ist, später mehr.
In diesem Jahr ist die Anzahl der Kandidaturen leicht gestiegen. In Summe haben 58 Studierende ihren Hut in den Ring geworfen. Zum Vergleich: 2025 waren es 56 Kandidierende, 2024 waren es 53 Kandidierende. Das ist zwar ein positiver Trend in der Gesamtbetrachtung, allerdings gibt es eine unterschiedliche Aufteilung auf die Fakultäten.

An der AUF gibt es nach fehlenden Kandidaturen im letzten Jahr nun wieder drei Kandidaturen für drei Sitze. Die IEF steigert ihre Kandidaturen im erheblichen Maße auf elf Kandidaturen bei sechs Sitzen. An der JUF fällt die Zahl erstmalig wieder unter die zwei verfügbaren Sitze. In der MSF, MNF, PHF und WSF pendelt die Zahl mal höher mal niedriger im Vergleich der letzten Jahre – man hat aber mindestens so viele Kandidaturen wie Sitze. An der THF setzt sich ein bedenklicher Trend fort. Dort gibt es seit zwei Jahren keine Kandidaturen. Die UMR bleibt beinahe stabil bei der Rekordzahl vom letzten Jahr, allerdings ebenso unter der möglichen Anzahl an Sitzen.
Einzelne Fakultäten scheinen hier stabil ihre Sitze zu füllen, aber an einzelnen Bereichen wird gerade so die Zahl der Kandidaturen für alle Sitze erreicht. An der THF gibt es ein großes Problem der fehlenden Kandidaturen. Wenn über zwei Jahre keine Person kandidiert, muss dringend eine Lösung erarbeitet werden. Es werden nicht nur die Interessen der Studierenden nicht vertreten, irgendwann werden die fehlenden Kandidaturen zur Normalität.
Wahlergebnis: Mitglieder und Ersatzmitglieder
Wir haben eingangs schon geschrieben, es sind nun 49 Mitglieder in den 37. StuRa gewählt worden. Die einjährige Legislatur startet im Oktober 2026 mit dem neuen Wintersemester. Ein Fakt ist dabei für das Wahlergebnis wichtig: Alle Kandidierenden sind gewählt und an den Fakultäten, an welchen es mehr Kandidaturen als Sitze gibt, haben die Kandidierenden mit den meisten Stimmen gewonnen. Die Kandidierenden, die bei der Wahl keinen direkten Sitz erhalten haben, sind nun Ersatzmitglieder des StuRa.
Was sind nun Ersatzmitglieder? Sie vertreten nicht die direkt gewählten Mitglieder, falls diese mal bei einer Sitzung nicht dabei sein können. Die Ersatzmitglieder würden in den StuRa einziehen, wenn ein direkt gewähltes Mitglied vom Sitz zurücktritt. Das kann aus verschiedenen Gründen passieren z. B. Ende des Studiums oder private Gründe, aber auch eine zu lange unentschuldigte Abwesenheit kann zum Verlust des Sitzes führen. Und das passiert aus Beobachtungen im Verlauf der Legislatur häufiger.
Dadurch ist es auch wichtig, dass möglichst viele Studierende für den StuRa kandidieren und es Ersatzmitglieder gibt, damit nach Rücktritten die Arbeit des StuRa normal weitergeführt werden kann.
Wahlergebnis: Wahlbeteiligung
Neben Zahlen zu den Kandidaturen und gewählten Mitgliedern ist die Wahlbeteiligung die entscheidende Komponente. Sie ist die Legitimation der neuen Studierendenvertretung und verdeutlicht auch die Präsenz einer Studierendenvertretung. Die Wahlbeteiligungen bei der Wahl zu Studierendenparlamenten sind bundesweit eher ein Trauerspiel als ein Erfolgspunkt.
Im Jahr 2020 berichtete Correctiv umfassend zu den Wahlbeteiligungen an deutschen Hochschulen. Von 38 % bis 4 % ist alles dabei, der Schnitt liegt ca. bei 13,9 %. Schaut man nun auf die Wahlbeteiligung an unserer Universität, sieht man eine leicht positive Entwicklung.

Zwar erfolgte mit dem Jahr 2025 ein erheblicher Absturz knapp über 10 %, allerdings stabilisierte sich die Wahlbeteiligung zuvor auf 15 %. An diesen Erfolg konnte in diesem Jahr angeknüpft werden und man erreichte die Rekordwahlbeteiligung von 16,22 %. Dabei lohnt sich noch ein Blick auf die Entwicklungen in den einzelnen Fakultäten.

Man vergleiche die Tabelle dazu noch mit den zur Wahl stehenden Kandidierenden und kann leider keinen eindeutigen Zusammenhang erkennen, wie beispielsweise, dass mehr Kandidierende zu einer höheren Konkurrenz und folglich zu einer höheren Wahlbeteiligung führen.
Ein unerwarteter Rekord wird an der AUF erzielt, an welcher mit 21,4 % die Wahlbeteiligung um 10 Prozentpunkte stieg. Dieser Trend war so nicht zu erwarten, weil im Jahr zuvor keine Wahl stattgefunden hat. Ein großer Erfolg der laut Buschfunk auch auf die Kandidierenden und ihre Werbung zurückgeht.
Die IEF, MSF, PHF und UMR präsentieren ebenso gute Steigerungen in der Wahlbeteiligung. Dort wird eine Festigung der 15 %-Marke ersichtlich, obwohl der Trend eher eine andere Richtung vorgab. Anders ist es an der JUF, MNF und WSF. Hier kann zwar das Ergebnis aus dem letzten Jahr klar verbessert werden. Allerdings bleibt man unter den Ergebnissen von 2024 zurück. Das gerade Studierende aus den Bereichen Jura, Politik- und Sozialwissenschaften weniger an die Wahlurne getreten sind, ist ein ernstzunehmender Faktor.
Fazit aus der diesjährigen Wahl
Der letzte Artikel zur StuRa-Wahl 2025 wurde mit „Wahlbeteiligung im freien Fall“ betitelt. Diesen Sachverhalt kann man nun nicht aufgreifen, aber dennoch fällt das Fazit nicht nur positiv aus.
Positiv hervorzuheben ist die leicht gestiegene Zahl an Kandidaturen. Mehr Menschen ermöglichen immer mehr Möglichkeiten des Engagements – mehr Schultern können die Last besser verteilen. Welche Wirkung sich aber entfaltet, entscheidet sich immer mit den Personen. Eine volle Besetzung führt nicht automatisch zu einer funktionierenden Studierendenvertretung, mit der Wahl ist definitiv ein wichtiger Grundstein gelegt. Und auch die Rekordwahlbeteiligung ist ein Erfolg und darf so betitelt werden. Schaut man zurück auf den Correctiv-Artikel liegt man mit 16,22 % beinahe drei Prozentpunkte über dem damaligen Schnitt.
Dennoch ist das Ergebnis mal wieder nur eine geringe Momentaufnahme. Die Wahlbeteiligung im Jahr 2025 zeigte, dass es auch schnell wieder abwärts gehen kann. Und die einzelnen Wahlbeteiligungen in den Fakultäten zeigen, der Trend ist nicht überall positiv. Dort ist die größte Aufgabe der Studierendenvertretung: mit Präsenz und Transparenz zu einer höheren, auf lange Sicht stabilen Wahlbeteiligung.
Mehr Präsenz auf dem Campus und Sichtbarkeit schaffen
Zentraler Punkt zur Verbesserung der Wahlbeteiligung ist die ständige Präsenz in den Köpfen der Studierenden. Wenn man weiß, was die Studierendenvertretung macht, welche Gremien es gibt und wie sie den Studienalltag verändern können, dann ist eine höhere Beteiligung garantiert.
Das bedeutet nicht unbedingt, mehr zu kommunizieren, sondern zielgenauer und bedarfsorientiert. Und das betrifft nicht nur die Studierendenvertretung, sondern auch uns als Studierendenmagazin. Wir müssen uns hier ebenso an die eigene Nase fassen und stärker auf die wichtigen Themen des Campus fokussieren.
Nächster Meilenstein für die Beteiligung ist die Wahl der Fachschaftsräte im Wintersemester. Dort gibt es gewöhnlich eine stärkere Beteiligung aufgrund der Nähe zu den Studierenden im einzelnen Fachbereich. Vielleicht wirken bei diesen Wahlen bereits erste Veränderungen und etablieren sich in der neuen Legislatur der Studierendenvertretung.
Artikel zu Wahlen an Hochschulen von Correctiv: https://correctiv.org/aktuelles/bildung/2020/08/09/uni-demokratie-studierende-waehlen-kaum/
Wahlergebnis StuRa-Wahl 2026: https://wahlen.stura-rostock.de
