Plädoyer für die Freaks

von Dennis Bossow.

Dennis hat es satt und ruft zu mehr gegenseitigem Verständnis auf.

Dieser Kommentar entstand, weil bei mir in einem Gespräch mit einer Bekannten das Fass zum Überlaufen gebracht wurde. Im Folgenden eine kurze Skizzierung der Problematik:

Sie hat(te) Interesse an einem Mann – gutaussehend, intelligent und ihrer Ansicht nach ein sympathischer Zeitgenosse. Doch gibt es für sie ein Problem: Er schaut Anime. In mehreren Sprachnachrichten hat sie seine Würde verletzt und erkennt das Problem nicht. Ich meine, wie würde es Euch gehen, wenn Ihr ein Hobby habt, für welches Ihr brennt, und die Person, an welcher Ihr Interesse habt, dieses beleidigend zerfetzt. Eine ihrer Aussagen war: „Das ist doch was für Mädchen.“ Das ist nicht nur sexistisch, sondern auch verletzend und unreflektiert. Ich könnte nun weitere Kommentare auspacken, die ich vernommen habe über Freaks, Gamer, Nerds, Weebs und viele mehr. Sie alle haben eines gemeinsam: Die Personen, welche hier urteilen, haben sich noch nie mit der Thematik beschäftigt, aber erlauben sich ein Urteil, das ihnen nicht zusteht.

Nun zu meinem Anliegen: Ich wünsche mir von allen, die diesen Artikel lesen, darüber nachzudenken, was Euer größtes Hobby ist. Tennis, Reiten, Schreiben, Musizieren, Brettspielabende, Zocken, Serien und Filme schauen, Feiern, Essen, Stricken, Schminken, Mode, Fotografieren oder etwas ganz anderes? Heutzutage gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten, seine Zeit zu verbringen.

Ihr, die das lest: Eure speziellen Hobbys machen Euch genauso zu Individuen wie die, die Anime schauen oder Cosplay betreiben. Euch allen liegt an einer oder mehreren Tätigkeiten das Herz. Es brennt förmlich vor Leidenschaft und diese Tätigkeiten würdet Ihr auf euer Mark und Blut verteidigen. Stellt Euch vor, dass jemand Euer Hobby nun so diskreditiert. Wie würdet Ihr Euch fühlen?

Diesen abwertenden Anblick kenne ich zu gut. Ein Blick, der spöttisch ist. Das Gespräch wird abrupt beendet, weil kein Bezug für die Person besteht. Die Situation wird unangenehm. Doch wie könnte diese Situation entspannt werden? Mein Vorschlag: Fragt nach! Was ist so spannend an dem Hobby? Welche Gefühle setzen sich frei? Wie funktioniert das?… So ein Hobby sagt viel über eine Person aus. Es ist spannend, in die Erfahrungswelt der Person einzusteigen – und dafür wirst Du sogar belohnt! Die Person wird sich freuen und sich Dir öffnen. Ist es nicht spannend zu erfahren, wie andere Menschen denken, fühlen und funktionieren? Also nehmt Rücksicht! Versucht andere zu verstehen! Überwindet Euren eigenen Blickwinkel! Über etwas, das nicht verstanden wird, sollte auch kein Urteil getroffen werden.

Liebe Grüße,

Von Herz und Hirn.

PS: Diskriminierung beginnt nicht erst bei Rassismus oder Sexismus, sondern bereits beim Abwerten anderer Lebensstile.

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