Später wirst du doch sicherlich mal ein Taxi fahren – Vorurteile gegen Studiengänge

Vorurteile gegen Studiengänge

von Annabell Kretschmer // Foto von Jonas Müller

In der letzten Woche haben wir euch auf Instagram gefragt, was ihr für Vorurteile gegen verschiedene Studiengänge kennt. Doch welche stimmen und welche nicht? Wir haben sie für euch gesammelt, unter die Lupe genommen und im Freundeskreis ein bisschen nachgehakt! Solltet ihr noch weitere Vorurteile kennen, immer her damit und schreibt uns einfach über Instagram oder Facebook – vielleicht gibt es dann einen zweiten Teil.

Medizin:

Medizinstudierende achten auf ihre körperliche Gesundheit
Diese Behauptung sollte definitiv nicht verallgemeinert werden: Spätestens bei den allseits bekannten Medi-Partys schütten sich die meisten literweise Bier in den Körper – gefühlt manchmal sogar bis zum Verlust der Muttersprache. Doch auch die Zeit, die sie in der Bibliothek über ihre Bücher gebeugt verbringen, (ein ebenfalls weiterverbreitetes Vorurteil) kann nicht förderlich für eine gesunde Körperhaltung sein. Zudem gibt es Medizinstudierende, die auch mal gern eine Zigarette schmökern – zum Stressabbau versteht sich.

Medis reden nach zwei Bier nur noch über Medizin
Meinen Beobachtungen diesbezüglich nach brauchen viele Medis noch nicht mal zwei Bier, um stundenlang über ihr Fach reden zu können. Dabei ist es egal, ob sie wissenschaftlich fundierte Diskussionen führen oder es bei fakultätsinternen Lästereien bleibt. Bei einem Studiengang wie Medizin ist es schwer vorstellbar, dass es jemand studiert, ohne sich dafür zu begeistern. Natürlich sollten hier nicht alle in einen Topf geworfen werden, andere Themen werden genauso besprochen – wie bei jedem eben.

Medizinstudierende lernen besonders viel
Ohne Frage ist das Fach mit viel Zeitaufwand verbunden, sicherlich mit mehr als bei den ein oder anderen Studiengängen. Gerade deshalb kommt an dieses Vorurteil ein Häkchen, denn dieses Studium ist für das viele auswendig lernen, bekannt.

Sprachwissenschaften:

Studierende der Sprachwissenschaften sind das ganze Jahr am Strand, denn Texte lesen, kann man überall
Diese Behauptung wäre durchaus möglich, jedoch ist das Lesen von Texten am Strand eher nervig, denn das Papier blendet zu sehr und am Ende ist das gesamte Buch voller Sand. Daher ist es nicht empfehlenswert (aus der Sicht einer Studentin der Sprachwissenschaften kann ich auch sagen, dass ich mir mit meinem Laptop am Strand schon dumm vorkam und wenn es danach geht, kann für fast jeden Studiengang am Strand gelernt werden. Letzten Sommer habe ich immer von 8 bis 13 Uhr an meiner Hausarbeit gearbeitet und war ab 14 Uhr am Strand).

Politikwissenschaften:

Student:innen der Politikwissenschaften werden nach dem Studium ein Taxi fahren
Diese Behauptung bekommen nicht nur die Studierenden der Politikwissenschaften zu hören, sondern auch fast alle anderen, die einen Zwei-Fach-Bachelor absolvieren. Aber dieses Vorurteil ist nicht nur in den Köpfen der Student:innen verankert, sondern auch in denen vieler anderer. (Während meiner Erstsemester-Veranstaltung als Zwei-Fach-Bachelor fragte einer der redeführenden Professoren, wer bereits die Frage: „Und was machst du damit später?“, von seinen Familienmitgliedern gestellt bekommen hätte. Daraufhin meldete sich der gesamte Hörsaal.)

Physik:

Physik auf Bachelor studieren nur Männer, Frauen studieren es auf Lehramt
Diese Aussage ist nicht nur sexistisch, sondern auch grundlegend falsch. Der Prozentsatz an Frauen an dem Physik-Institut liegt derzeit bei 19,08 %1 (WS 20/21) auf Bachelor und im Master bei 21,43 %1 (WS 20/21).

Physikstudent:innen haben keine Ahnung, was nach dem Abschluss kommt
Es bietet sich den Alumni eine ebenso weitgefächerte Arbeitswelt wie jenen der Philosophischen Fakultät. Daher sind sich viele Studierende der Physik nicht sicher, was sie später machen werden.

1Studierende nach Studienfach und angestrebter Abschlussprüfung im WS2020/2021

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