Ein DJ ohne Mischpult – Was bleibt?

DJ ohne Mischpult_Beitrag

Von Milad Khoshdel // Illustration von Rosa Staiger

14. März 2020, alles ist still.

Die Vorbereitungen waren umsonst, die Vorfreude wurde genommen, die Aufregung erlosch.

Eigentlich sollte am 14. März die St. Patricks Day-Party im ST-Club stattfinden und allen Gäst:innen einen schönen Abend bescheren, doch soweit sollte es gar nicht erst kommen.

Ich bin Milad, unter anderem einer der DJs des ST-Clubs und konnte seit über einem Jahr nicht mehr meiner Arbeit und Leidenschaft in seiner eigentlichen Form nachgehen.

Diese Woche begann eigentlich relativ normal, natürlich war Corona ein Thema, aber ich musste mich auf die anstehende Party vorbereiten. Entsprechend habe ich mich nach irischen Bands und Songs umgesehen, die man hätte spielen können, um eben den irischen Touch in den Abend zu bringen. Letztlich habe ich immer eine Liste an Songs (immer zu viele als zu wenige), die infrage kommen. Da man nie weiß, ob neue Songs oder gerade erst entdeckte Songs bei den Gäst:innen ankommen, schwingt immer eine Ungewissheit mit und damit eine Vorfreude und Aufregung. Aber auch die Ungewissheit, was an dem Abend passiert, sorgt für diese Gefühle. So ist jeder Abend, an dem man auflegt, ein Abenteuer, eine neue Reise, die man gemeinsam mit den Gäst:innen beschreitet, indem man sich „austauscht“ und gegenseitig „lenkt“. Und das ist es, was ich an diesem Job so liebe.

Doch all das fand nicht statt, an diesem Abend blieb es still. Es blieb überall still.

Und seit dem?

Seit damals hat sich nur ein bisschen was getan. Es gab bereits mehrfach die Möglichkeit, durch einen Stream wieder für den ST-Club aufzulegen. Weiterhin konnten wir letztes Jahr den Biergarten noch nutzen, um ebenfalls zumindest etwas Hintergrundmusik zu bieten. Dadurch konnten wir DJs zumindest etwas unserer Leidenschaft nachgehen. Das half und hilft immer noch, um etwas von diesem Abenteuer wieder zu erfahren und sich wieder in die Vergangenheit zu versetzen. Ein Stück Normalität für einen kurzen Augenblick.

Dennoch fehlte etwas vollkommen Entscheidendes, nämlich der Austausch und die Reaktionen der Zuhörer:innen. Denn deren Freude und Akzeptanz der Musik und der Arbeit, die wir am Computer tätigen, ist der Grundpfeiler unseres Jobs. Das, was uns pusht und zu neuen Wegen inspiriert, Songs auszuprobieren und uns immer weiter zu verbessern, um noch mehr für unsere Gäst:innen bieten zu können und sie in Erstaunen zu versetzen. Ob es nun wahrgenommen wird oder nicht, es reicht für einen selbst, wenn neue Techniken oder Songs die erhofften Reaktionen auslösen.

Und eben dieser wichtige Aspekt fehlt ohne euch.

Was bleibt?

Hoffnung.

Das Hoffen auf ein Ende der Pandemie und das erneute vollständige Öffnen der Kulturbranche und dies möglichst bald. Denn tatenlos blieben die Künstler:innen nicht und entsprechend auch die DJs nicht und ich auch nicht. Es gibt mittlerweile eine Menge Songs, die ich gerne vor Publikum ausprobieren und testen möchte. Sowie auch die üblichen Verdächtigen, die man während einer Party immer zu hören bekam. Wie und wann wir wieder feiern gehen können, weiß ich nicht, aber ich will dafür vorbereitet sein, um allen, die sich zu einer Party begeben, auf welcher ich die Möglichkeit habe aufzulegen, einen schönen Abend zu bereiten, an dem man seinen Alltag vergessen kann und einfach abschalten bzw. Spaß haben kann.

Also lasst uns nicht zu früh leichtsinnig werden und alle Vorsichtsmaßnahmen über Bord werfen, denn eine ganze Branche und unsere Normalität hängt davon ab. Und zwar von jedem Einzelnen von uns.

Damit es wieder laut sein kann. Ich kann es kaum erwarten.

Ein DJ ohne Mischpult
Foto: Milad Khoshdel; Bild: Olivia Jäntsch; Location: ST-Club Rostock

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