Zu Besuch bei unseren Namensgeber:innen

Robbenstation

Von Hanna Birkenhagen // Illustration Rosa Staiger

„Nicht mit den Wölfen. Nicht als Schlosshund in die klirrende Einsamkeit der Universitätsgebäude. Diese Zeitung will heulen, so wie der Wind um alle Mauerwerke durch alle Ritzen fährt, wie die heulende Boje auf unwägbare, gefahrvolle Gewässer weist, ähnlich der jungen, friedfertigen Robbe, die allem Schmutz und Öl, allem Unrat und Abfall lauthals trotzt.“, so heißt es im Editorial der ersten heuler-Ausgabe überhaupt. Warum also nach all den Jahren nicht mal unseren Namensgeber:innen einen kleinen Besuch abstatten?

Ganz im Norden Rostocks auf der anderen Seite der Warnow lässt sich nach einer kurzen Fährfahrt das Marine Science Center in Hohe Düne erreichen. Hier liegt die Lichtenberg, ein weiß-blaues Schiff, auf dem sich Räumlichkeiten des biowissenschaftlichen Instituts, eine Bibliothek und eine Werkstatt, Seminarräume und eine Fischküche befinden. Viel interessanter ist jedoch, was sich vor diesem Schiff befindet: In einer 86 x 30 m großen und 5 m tiefen Netzanlage wohnen in fünf verschiedenen Becken zwölf Seehunde, zwei Seelöwen und ein Seebär. Alle Robben des MSC sind Männchen, die in verschiedenen Zoos geboren wurden. Die Mitarbeiter:innen des Forschungsschiffes arbeiten bewusst mit nur einem Geschlecht, um Jungtiere zu vermeiden, die in den meisten Fällen abgegeben werden müssten.

Mit den Robben werden unterschiedliche Versuche durchgeführt, für die zwei verschiedene Forschungsteams zuständig sind. Die Arbeitsgruppe „Sensorische und kognitive Ökologie“ beschäftigt sich mit der Orientierungsleistung von Meeressäugern in ihrer näheren Unterwasserwelt, da diese sowohl von zoologischem als auch technischem Interesse ist. Hierfür werden den Robben Aufgaben gestellt, bei denen beispielsweise ihre Barthaare oder auch ihre ohrmuschellosen Ohren getestet werden. Die Arbeitsgruppe „Neuroethologie“ untersucht, wie Robben das Erdmagnetfeld oder auch ihren ausgeprägten Zeitsinn nutzen, um im offenen Meer navigieren zu können.

Neben diesen wissenschaftlichen Experimenten haben die Robben ebenfalls Aufgaben zu bewältigen, bei denen man meinen könnte, es handele sich nicht um Seehunde, sondern um Landhunde. Täglich von 10 bis 16 Uhr können wir als Besucher:innen dabei zuschauen, wie Paco, Rüdiger und Co. eine Rolle machen, springen, klatschen und am Ende mit dem ein oder anderen leckeren Fisch belohnt werden. Und wem das nicht ausreicht, der:die kann sogar zu den Robben ins Becken steigen. Ob unsere Helga den Jungs wohl auch mal einen kleinen Besuch abstatten möchte?

Um mehr über die Forschung und die Angebote für Besucher:innen zu erfahren, schaut auf der Website des MSC vorbei. Für süße Fotos und Videos sowie andere interessante Beiträge besucht den Instagram-Account.

5 Fakten über Robben:

  • Robben können an Land und unter Wasser schlafen.
  • Jungtiere können am Tag bis zu 800 g zunehmen.
  • Robben schwimmen meist auf dem Rücken, da ihre Augen nach oben ausgerichtet sind.
  • Ein Heuler ist ein Robbenbaby, das von der Mutter nicht angenommen wurde.
  • Robben und Hunde können sich gegenseitig mit Krankheiten anstecken.

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