Von Janne Döscher // Illustration: Lara Kaminski
Neues Format, neues Glück? – Ich versuch‘s mal. In der Vorlesungszeit passiert immer recht viel an unserer Uni. Aber bei vielen Veranstaltungen und Ereignissen fehlen einigen oder vielen Studierenden die Hintergründe. Mit diesem Format sollen verschiedene Themen unserer Uni aufgegriffen, erklärt und diskutiert werden. Und gefragt seid dabei auch ihr Leser:innen, die Vorschläge für Themen oder Ereignisse einreichen könnt, damit wir darüber im Detail recherchieren.
Begrüßungstag für die Erstis: Der Campustag
Am 06.10.2026 um 10 Uhr war es wieder so weit. Der Dienstag in der Begrüßungswoche wird seit Jahren vom Campustag geprägt. Die neuen aber auch bereits eingeschriebenen Studierenden strömen auf den Südstadtcampus, wo knapp 100 Stände aus der Region auf sie warten.
Organisiert wird der Campustag vom AStA (= Allgemeine Studierendenausschuss), also ehrenamtlich von Personen aus der Studierendenvertretung. Die Arbeit dafür beginnt bereits meist im Januar des jeweiligen Jahres. Die AStA-Referent:innen teilen sich in verschiedene Gruppen auf, um den Campustag zu organisieren. Dazu kommen auch Unterstützung von einzelnen Personen aus anderen Bereichen der Studierendenvertretung. Über die vielen Monate wird dann das Programm für den Campustag gebaut.
Dass der Campustag auf dem Südstadtcampus stattfindet, war allerdings nicht immer so. Vor der Coronapandemie fand der Campustag auf dem Ulmencampus statt. Damals gab es noch keine Großbaustelle und die komplette Wiese stand im vollen Grün zur Verfügung, umringt von den Gebäuden, dazugehörigen Seminarräumen sowie Hörsälen. Die Pandemie durchkreuzte die Planungen einzelner Campustage und die nahende Baustelle veränderte das Geschehen. Der erste „normale“ Campustag fand 2022 auf dem Ulmenmarkt und im Haus 1 statt. Die Stände tummelten sich auf dem Markt und die Fachschaftsräte traf man im Haus 1. Diese Lösung war aber nur eine Notfallvariante, weshalb als langfristige Alternative der Campustag ab 2023 auf dem Südstadtcampus verlegt wurde. Bis zur Fertigstellung des neuen Gebäudes auf dem Ulmencampus wird es erstmal auch so bleiben.
Auf dem diesjährigen Campustag gab es erstmalig einen Kooperationspartner, die Ostseesparkasse (OSPA). Und das angebotene Programm sorgte für ordentlich Trubel auf dem Campus. Aus Sicht der Studierendenvertretung ein gelungener Tag, trotz einzelner Mängel und Verbesserungsbedarf.
Das täuscht nicht über die Tatsache hinweg, dass innerhalb der Studierendenvertretung eine kleine Debatte existiert, den Campustag stark zu verkleinern oder ihn in der Form sogar ganz abzuschaffen. Zu viel Arbeitsaufwand, zu viele Ressourcen für ein Event, zu viel Kommerz – diese und weitere Punkte werden immer wieder aufgeworfen. Dagegen stehen Punkte wie die Begrüßung aller Studierenden durch diesen Tag, es ist eine öffentlichkeitswirksame Veranstaltung, es sind viele begeisterte Studierende auf dem Campus. Und zur nächsten Haushaltsdebatte im November/ Dezember wird die Studierendenvertretung in Form des StuRa (= Studierendenrat) auch über die Finanzierung und damit auch den Umfang des Campustag diskutieren sowie entschieden.
Was sind eure Erfahrungen zum Campustag? Wie seht ihr den Begrüßungstag der Studierendenvertretung?
Stud.IP-Gate: Auf einmal geht nix mehr
Die große Sicherheitslücke hat uns am 21.10.26 alle irgendwie überrascht. Damit meine ich nicht, dass sowas passiert, sondern die schnelle Auswirkung auf unser Leben. Viele Websites wurden vorsorglich abgeschaltet und einzelne Anlaufstellen waren für eine gewisse Zeit nicht erreichbar.
Unsere Uni-Website hat es ebenso getroffen, allerdings viel schwerwiegender als unsere unübersichtliche Website war die Abschaltung von Stud.IP. Viele Studierende wollten wie gewohnt ihre Veranstaltungen checken und dann kam nix. Und dieses „Nix“ war auch anfangs die Kommunikation der Uni an die Studierenden.
Die Meldung über den Ausfall von Stud.IP wurde sofort in das Dienstleistungsportal eingetragen. Das ist ein Portal, welches vorrangig von Mitarbeitenden zur Informationsschnittstelle innerhalb der Uni genutzt wird. Studierende werden über dieses Portal nicht informiert, dafür ist das Dienstleistungsportal nicht gedacht.
Am 22.10.26 kamen dann die ersten Informationen. Die erste E-Mail, die mich persönlich erreicht hat, kam aus meinem Institut. Es war ein Satz: Stud.IP fällt voraussichtlich bis zum 27.10. aus. Mehr gab es anscheinend dazu nicht zu sagen. Was das jetzt bedeutet und wie man damit umzugehen hat; das ist erstmal egal.
Erlösen sollte uns Studierende die E-Mail der ITMZ-Leitung. Die E-Mail beschreibt, dass Stud.IP bis mindestens 26.10.26 nicht funktioniert, Evasys ist nicht erreichbar, dazu auch die Bilddatenbank und der Druckservice. Als wäre es nicht genug, fallen irgendwelche weiteren Dienste aus. Nennung der genauen Ausfälle scheint unnötig, man wird es dann schon merken.
Die erfreulichen Nachrichten: ILIAS funktioniert, yes, 2 % der Dozierenden, die das Portal verwenden, jubeln. Die unübersichtlichen Websites sind ebenso am Start, geil. Und alle Studis springen im Kreis vor Freude, Evaexam funktioniert, ein Traum.
Wer den Sarkasmus nicht erkennt, es ist Sarkasmus. ILIAS als alternatives Portal zur Stud.IP wird selten benutzt und ändert nichts an den fehlenden Veranstaltungen in Stud.IP. Und was zur Hölle ist Evaexam?
Diese E-Mail sagt eigentlich wieder mal nur eines: Stud.IP und paar andere Sachen funktionieren nicht, paar Sachen funktionieren; aber was jetzt wirklich wichtig ist und ihr als Studis beachten solltet, das kriegt ihr schon selbst raus. Da braucht es wohl an der Uni ein Aufbauseminar in Krisenkommunikation.
Wir befinden uns in der zweiten Vorlesungswoche. Tausende Erstis laufen immer noch verwirrt über den Campus und es gibt seitens der Uni keine Informationen zum Lehrbetrieb. Ein paar Sätze in Richtung: „Der Lehrbetrieb findet weiterhin statt und Sie können Ihren Stundenplan auch über das LSF einsehen. Ihre Lehrenden werden sich mit Informationen sowie Materialien bei Ihnen melden. Ebenso gibt es durch die Dozierenden Informationen zur Abgabe von verpflichtenden Aufgaben, die sonst über Stud.IP vorgenommen wurde. Durch diese Abschaltung sollen für Sie keine Nachteile entstehen, gehen Sie bei fehlenden Informationen auf Ihre Dozierenden zu.“
Ist das zu viel verlangt oder übertreibe ich maßlos – was denkt ihr?
Neubesetzung der Studierendenvertretung
Das Wintersemester ist ebenso der Start der neu gewählten Studierendenvertretung. Zur Wahl haben wir bereits zuvor in einem ausführlichen Artikel berichtet. Am 14.10.2026 stand dann die Konstituierung des neuen Studierendenparlaments (StuRa) an. Beginnend ist immer die Wahl zum StuRa-Präsidium, der Leitung und Vertretung des StuRa.
Neu in dieser Legislatur ist, dass der StuRa selbst entscheidet, wie das Präsidium aufgebaut ist. Die Anzahl der Mitglieder im Präsidium wurde auf maximal 4 erhöht. Damit kann es neben der Position Präsident:in weitere drei Vize-Präsident:in geben. Die Entscheidung über die Anzahl der Posten trifft der StuRa zu Beginn der Konstituierung.
Das noch amtierende Präsidium der letzten Legislatur schlägt dem StuRa vor, die Anzahl auf 3 Personen festzulegen. Bei der Beratung über die Anzahl gibt es einen Änderungsantrag auf Verringerung der Posten (weiter nur 2 Personen). Dieser Änderungsantrag wird mit 23 Nein-Stimmen zu 8 Ja-Stimmen sowie 3 Enthaltungen abgelehnt. Interessant ist der zweite Änderungsantrag. Dort wird festgelegt, dass man die Vergütung einer möglichen dritten Person erstmal zur nächsten Sitzung prüfen müsse. Hier wurde wohl nicht bis zu Ende gedacht.
Bei der Wahl des Präsidiums gibt es keine Überraschungen oder Kampfabstimmungen. Der bisherige Vize-Präsident Glen bewirbt sich als Präsident, die bisherige Präsidentin Anne Marie möchte Vize-Präsidentin werden – also ein Rollentausch. Glen wird mit 28 Ja-Stimmen, 2 Nein-Stimmen und 4 Enthaltungen zum Präsidenten gewählt. Anne Marie wird mit 29 Ja-Stimmen und einer Enthaltung als Vize-Präsidentin gewählt. Eine dritte Person gibt es nach den ersten drei Sitzungen im Oktober nicht.
Neben den Wahlen zum Präsidium sind im Oktober die AStA-Wahlen auf der Tagesordnung. Der AStA als ausführendes Organ der Studierendenvertretung muss neu besetzt werden. Im neuen Heft #141 habe ich über die tiefe Krise der Studierendenvertretung geschrieben. Die AStA-Wahlen sind ein erster Schritt, um zu schauen, ob die Krise überwunden wird.
Und man muss sagen, es schaut in Teilen eher nach Überwindung der Krisenstimmung aus. Bei den Wahlen auf den ersten drei Sitzungen werden folgende Referate besetzt: Hochschulpolitik; Geschäftsführung; Finanzen; Soziales; Lehramt; Antifaschismus, politische Bildung und Kultur; Antidiskriminierung und Vielfalt; Digitales; Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Damit sind 9 der 12 Referate besetzt, das ist beinahe rekordverdächtigt.
Die Fachschaftsrätekonferenz macht zudem einen Vorschlag für die Wahl des Referat für Inneres erst im November. Nur das Referat für Studium und Lehre bleibt unbesetzt. Also falls jemand Interesse hat, die Studienbedingungen an der Uni zu verändern und Studis Hilfe bei Problemen zu geben, meldet euch beim AStA für das Referat. Vorher kann man sich bei den aktuellen Menschen über die Arbeit informieren (studium.asta@uni-rostock.de).
Wer mitgezählt hat, merkt, es fehlt noch ein AStA-Posten. Das ist momentan der größte Makel an der neuen Legislatur: es fehlt ein neuer AStA-Vorsitz. Gerade die fehlende Neubesetzung der Teamleitung stellt die Schattenseite dar. Der Start in eine neue Legislatur sollte im besten Falle immer mit einem neuen AStA-Vorsitz erfolgen, damit die Dynamik im Team sich entwickeln kann. Dazu kommt ein zeitliches Problem: Wenn bis acht Wochen nach der ersten Sitzung des StuRa kein AStA-Vorsitz gefunden wurde, wird das Studierendenparlament aufgelöst. Es gibt dann Neuwahlen.
Es bleibt also spannend, ob die Personalfrage für die startende Legislatur noch gelöst werden kann.
Nun seid ihr gefragt: Möchtet ihr etwas über die neuen Personen in der Studierendenvertretung wissen? Schreibt es mir (heuler.uni@uni-rostock.de)!
