Probealarm in Rostock: Erfolg oder Fail? – Eine Analyse

Probealarm Rostock

Ein Kommentar

Von Milad Khoshdel // Grafik von Josephin Bauer

Seit der Flutkatastrophe im Juli dieses Jahres beschäftigt mich das Warnsystem für Notfälle in Deutschland. Im Nachhinein gab es auch einige kritische Stimmen, die das Warnsystem als fehlerhaft oder zumindest nicht richtig funktionsfähig betrachteten[1]. Da am 02.10.2021 in Rostock ein Probealarm stattfand, wollte ich selber herausfinden, wo mögliche Probleme liegen könnten. Und so entstand der folgende, höchst emotional geladene Text an jenem Morgen, den ich nun im Nachhinein Stück für Stück analytisch betrachten möchte, um die Fehler zu verdeutlichen.

Am 02.10.2021 ist der Probealarm, den ich tatsächlich im Vorfeld nicht mitgekriegt habe, bis um 11 Uhr der erste Warnton zu hören war. Soweit so gut. In der NINA-App waren zwei Links angegeben, die weitere Details geben sollten. Jedoch funktionierte dies nicht, da die Internetseite des Rathauses zusammenbrach, wenn man durch die Verlinkung der NINA-App darauf zugreifen wollte. Es ist ein Armutszeugnis im 21. Jahrhundert, eine Warnung für die Bevölkerung einer Stadt bereitstellen zu wollen und dann nicht mit dem Server Ansturm klarzukommen. FIX THE FUCKING SERVERS!!!!

Ein ernüchternder Einstieg in diesen Probealarm ist das. Aber zuvor sei kurz erklärt, was die „NINA-App“ ist. Die NINA-App (IOS) (Notfall-Informations- und Nachrichten-App des BBK) ist die Warn-App des Bundesamts für Bevölkerungsschutz (BBK). Diese App soll deutschlandweit vor Gefahren warnen, indem sie per Push-Benachrichtigung oder Öffnen der App die aktuelle Warnung anzeigt und erste Informationen gibt. Weiterhin gibt es auch noch die BIWAPP (IOS), welche dasselbe macht, allerdings nicht von der BBK ist.

Nun zum Problem: In der App wurde ich darüber informiert, dass es ein Probealarm ist und dass es drei Warntöne geben wird. Was mir allerdings fehlte, war die Information, wie diese Töne zu klingen haben, da ich das nicht auswendig weiß und mir wohl auch nie merken werde. Die App wäre eine gute Möglichkeit, dies zu erwähnen. Stattdessen werden zwei Links angegeben, die zum Zeitpunkt des Probealarms nicht aufrufbar waren, da die Server überlastet waren.

Ich habe es erst nach ca. 30 Minuten geschafft, diese (rostock.de/warnung) Website aufzurufen. Nach 50 Minuten kam ich immer noch nicht auf die Seite des zweiten Links (rostock.de/feuerwehr).

Als ich dann auf der Seite des ersten Links war, war der erste Eintrag vom 21.09.2021. Dieser informierte darüber, dass die Stadt Rostock auf Warnmittel zurückgreife, um die Bevölkerung zu schützen. Dazu gab es noch einen aufzuklappenden Reiter, der mir das modulare Warnsystem erklären soll, inklusive Link zu einem informativen und einfach gehaltenen YouTube-Video.

Der aufzuklappende Reiter mit der Überschrift: „Nächster Rostocker Warntag! am: 02. Oktober 2021“ informierte mich über die Uhrzeit der Warnung und dass in zeitlichen Abständen drei Töne zu hören sein werden, nämlich „Warnung“, „Feuer“ und „Entwarnung“. An dieser Stelle hätte man zumindest schreiben können, wie die Töne je Warnungsart zu klingen haben. Oder alternativ könnte man eine Grafik anfügen, um eben jenes durch Piktogramme zu erklären.

Nachdem es nun 12:16 Uhr ist, komme ich auch auf die Seite der Feuerwehr und bekomme eine Textwand zu lesen, die mir wieder die Wichtigkeit des Probealarms und des Warnsystems erklärt. Immer noch weiß ich nicht, welcher Ton was bedeutet und wie er aufgebaut ist. Weiter scrollend finde ich einen Link mit der Kennzeichnung „Flyer“, auf diesem ist dann eine Schaugrafik, welche mir die Töne erklärt.

Auch hier gilt, dass die Information zur aktuellen Situation die oberste Priorität haben sollte und nicht die Auskunft über die Wichtigkeit eines Notfallmeldesystems. Und auch sollte der „Flyer“ vielleicht besser gekennzeichnet sein, z. B. „Verhalten in einer Notfallsituation“.

Was ist also letztlich mein Fazit?

Es gibt einige Möglichkeiten, um das Warnmeldesystem zu verbessern. Unter anderem sollten die notwendigsten Informationen direkt in der App angezeigt werden, anstatt nur über weiterführende Links zu informieren. Das würde auch die Serverauslastung um ein Vielfaches reduzieren. Gerade weil ein Smartphone meistens griffbereit liegt, ist es die effektivste Form der Informationsvermittlung, denn Fernseher und Radio sind nicht immer in der Nähe oder gar im Haushalt vorhanden. Also warum sollte man nicht die Möglichkeiten des 21. Jahrhunderts vollständig ausnutzen, um so die Bevölkerung aller Altersschichten effektiv zu schützen und zu informieren?

Soweit ich das einschätzen kann, fehlen nur ein paar Optimierungen. Es wäre schön, diese zum nächsten Probealarm schon zu sehen. Dieser wird wohl im April stattfinden, also prüft gerne mit, wie es dann aussieht.


[1] https://www.zeit.de/digital/2021-07/warnsysteme-deutschland-hochwasser-cell-broadcast-sirenen-katastrophenschutz-meldeketten-sicherheit

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