Weltklimagipfel in Glasgow – Ein historischer Wendepunkt?

Klimakonferenz

Von Sandeep Preinfalk // Foto von Kelly Sikkema

Fast 200 Länder haben in den vergangenen 2 Wochen über die Bedrohung und Bekämpfung des Klimawandels gesprochen. Dabei haben sie diverse Vorschläge vorgestellt und Ziele formuliert, die jedoch der aktuellen Lage nicht unbedingt gerecht werden.

Die Weltklimakonferenz in Glasgow ist zu Ende und hat einige Ergebnisse hervorgebracht. Diese lassen sich zum einen aus den Abschlussdokumenten der Delegierten entnehmen, sind aber auch anhand der Stellungnahmen einzelner Staaten klar erkennbar. Erstere erkennen die Folgen des Klimawandels an und fordern die Staaten zum schnellen Handeln auf. Zudem betonen sie die Notwendigkeit der Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels und warnen vor möglichen Risiken beim Scheitern desselben. Darüber hinaus werden in den Dokumenten fossile Energieträger als Treiber des Klimawandels eingestuft und demzufolge alle Staaten darauf hingewiesen, ihren Kohleverbrauch schrittweise zu verringern.

In Anbetracht dieser Zielsetzungen scheint die Klimakonferenz ein Erfolg zu sein. Denn alle Länder bekennen sich zu dem Klimawandel und erstmals in der Geschichte völkerrechtlicher Verträge wird der Kohleausstieg explizit erwähnt. Allerdings stellen sich die Vereinbarungen bei genauerer Betrachtung und unter Berücksichtigung ihres Zustandekommens sowie der aktuellen Bedrohungslage als wenig ambitioniert heraus. Ein Großteil der Ziele ist nämlich schon im Pariser Klimaabkommen formuliert und in Glasgow lediglich erneuert oder erweitert worden. Der Verweis auf den Kohleausstieg ist zwar historisch, hätte aber viel konkreter und zielführender erfolgen müssen. Das war auch anfangs der Fall, denn die Länder hatten sich auf eine rasche Beschleunigung des Kohleausstiegs verständigt. Jedoch haben China und Indien im letzten Moment eine Abschwächung des Vorhabens durchsetzen können. Die beiden Staaten sind schließlich für einen lockeren Umgang mit dem Klimawandel bekannt. Doch mangelnder Einsatz lässt sich auch bei anderen Staaten feststellen. So lassen die Absichtserklärungen vieler Länder zur Klimaneutralität darauf schließen, dass sie das 1,5-Grad-Ziel verfehlen werden. Auch die Ergebnisse bezüglich der Finanzierungshilfen für die Klimaschäden sind ernüchternd. Es herrschte zwar größtenteils Einigkeit darüber, dass der Klimawandel zunehmend Kosten verursacht und diese von den Industriestaaten, als Hauptverantwortliche der Klimaschäden, getragen werden müssten. Jedoch wurde diese Erkenntnis weder konkretisiert noch verpflichtend festgeschrieben. Lediglich die Anpassungshilfen für den Klimawandel sind den Entwicklungsländern zugesichert worden.

Immerhin haben einige Länder Initiativen für den Klimaschutz gestartet oder ausgebaut. Diese betreffen vor allen den Schutz der Wälder, die Abkehr von fossilen Energieträgern und Methan. Sie haben aber keine rechtliche Bindungskraft, wodurch ihre Zweckmäßigkeit zweifelhaft ist.

Insgesamt ist das Resultat der Weltklimakonferenz also eher unbefriedigend. Denn es wurden nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft, weshalb die Klimaschutzziele auch so zurückhaltend ausfallen. Daran sind Staaten wie China schuld, die Partikularinteressen den Vorrang gaben. Wobei auch Staaten wie Deutschland und Frankreich nicht wirklich vorbildlich agierten (man denke an Deutschlands Enthaltung bei der Initiative für das Ende der Verbrennungsmotoren oder Frankreichs Bemühungen, Atomenergie zu einer nachhaltigen Quelle deklarieren zu lassen). Aus diesem Grund hat auch der Präsident der Weltklimakonferenz, Alok Sharma, seine Enttäuschung über den Ablauf und die Ergebnisse der Konferenz kundgetan.

Quellen:

tagesschau: Zu fünft gegen die Atomenergie [15.11.21].

Eckert, Werner (tagesschau): Was der Klimagipfel erreicht hat [15.11.21].

zdf heute: Die wichtigsten Ergebnisse der Klimakonferenz [15.11.21].

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