„Ich glaube, wir haben den Menschen sehr viel Angst eingejagt“: Madsen bei Markus Lanz

Madsen bei Lanz

Von Sandeep Preinfalk // Grafik von Steffen Dürre

Vor wenigen Tagen war Rostocks Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen als Gast in der ZDF-Sendung „Markus Lanz“ zugegen. Dort bemängelte er den bisherigen Umgang mit der Pandemie und sprach sich für neue Ansätze aus.

Während der ersten Coronawellen wies die Stadt Rostock eine sehr niedrige Inzidenz auf und wurde damit zu einem Vorbild für Deutschland. Ob die Teststrategie und coronabezogenen Einschränkungen des Bürgermeisters, die geografische Lage der Stadt oder andere Faktoren zu dem Ergebnis führten, ist umstritten. Allerdings weckte die einzigartige Situation in Rostock das Interesse diverser politischer Akteure und die Neugier der Medien. Schließlich bemerkte auch Markus Lanz die ungewöhnlichen Umstände in Rostock und lud daher Madsen zu seiner Sendung ein. Hier beeindruckte er den Moderator mit seiner pragmatischen Sichtweise und offenen Art.

Folglich erscheint es kaum verwunderlich, dass Lanz den sympathischen Bürgermeister auch angesichts einer sich verschlechterten Lage in Rostock wieder zu einem Gespräch in seiner Sendung eingeladen hat. Diesmal erklärte Madsen seine Zweifel zu den politischen Entscheidungen und der Vorgehensweise zur Eindämmung der Pandemie. So kritisierte er das (aus seiner Sicht) zu starke Fokussieren auf Inzidenzwerte und die teils nicht nachvollziehbaren Einschränkungen für die Pandemiebekämpfung. Als Beispiel nannte Madsen den Rostocker Weihnachtsmarkt, welcher trotz 2G-Plus-Regel und strenger Auflagen geschlossen wurde.

Überdies warf der Rostocker der Politik eine unzureichende Kommunikation und das Erzeugen sowie Befördern von Ängsten vor. Deutschland reagiere nämlich sehr ungünstig auf steigende Inzidenzzahlen, da es die Bevölkerung im entsprechenden Fall in Alarmbereitschaft beziehungsweise Panik versetze und so Sorgen statt Mut in den Menschen entfessle. Zudem haben Madsens Meinung nach Politiker die Bürger durch falsche Versprechen und das ständige Ändern oder Zurückziehen von Maßnahmen verunsichert. Dies veranschaulichen, so Madsen, das gebrochene Wort zur Impfpflicht sowie die vermeintliche Rückgabe der Grundrechte an Geimpfte.

Bei seiner Kritik verwies der Bürgermeister stets auf das Land Dänemark, das trotz hoher Inzidenzwerte und Maßnahmenlockerungen kaum Intensivpatienten zu beklagen habe. Wenngleich Dänemark auf günstigere Bedingungen, wie eine hohe Impfquote, als Deutschland aufbauen kann, sollte es nach Madsen dennoch als Vorbild dienen, da dieses Land eine bessere Strategie als Deutschland verfolge und im Gegensatz zu anderen Ländern weder seine Bürger verwirre noch deren Vertrauen einbüße.

Als letzten Kritikpunkt führte Madsen Probleme in der Bürokratie an. So bemängelte er, dass Deutschland vor allem beim Datenschutz zu stark aufs Papier setze und dadurch unnötige Hürden schaffe. Laut Madsen wäre die Digitalisierung in vielen Bereichen sinnvoller, weil sie die Datenerfassung erleichtere und die Arbeit beschleunige.

Seine innovativen Vorschläge versucht der Bürgermeister auch in Rostock zu realisieren. Beispielsweise tauscht er sich gerade mit der Bundes- wie auch Landesregierung über eine mögliche Digitalisierung der Verwaltungsbehörden aus, um so zum Beispiel das Beantragen von Pässen und Führerscheinen flexibler zu gestalten. Ob ihm dieses Vorhaben gelingt und seine Anregungen im Hinblick auf die Pandemie aufgegriffen werden, bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall konnte er im Fernsehen einen guten Eindruck hinterlassen. Wir werden Madsen also wahrscheinlich nicht das letzte Mal bei „Markus Lanz“ gesehen haben.

Die gesamte Sendung könnt ihr euch in der ZDF-Mediathek anschauen.

Quellen:

Eggert, Ingo: „Vielleicht habe ich die Bürokratie unterschätzt“ [07.02.2022].

Focus Online: „Dänisches Mindset“: Rostocker Bürgermeister plädiert für anderen Umgang in Corona-Krise [07.02.2022].

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