Das Tretbootteam aus Rostock gewinnt den internationalen Wettbewerb

Von Arthur Nell

Internationaler Wettbewerb? Tretboote? Sind das nicht diese Schwäne, die man sich am Badesee mieten kann? Ja und nein. Ein schöner Schwan, mit dem man entspannt den Tag am See verbringt, ist zwar auch ein Tretboot, aber in diesem Kontext stellen wir uns ein Tretboot als Prototyp vor, einzigartig und nur auf eine bestimmte Anwendung konzipiert. Dieser besteht aus besten Materialien wie Carbon und alles in Handarbeit gebaut.

 

Für letzteres gibt es einmal im Jahr die International Waterbike Regatta (IWR). Diese existiert seit dem Anfang der 1980er und wird jedes Jahr von einem anderen teilnehmenden Team veranstaltet.

 

Foto: Arthur Nell

Ich war auf der letzten IWR 2023, die übrigens in Kiel stattfand, dabei. Aber wie fühlt sich das an? Ich beschreibe es gerne als festivalähnliche Veranstaltung mit spannenden Rennen. An drei Renntagen werden sechs gewertete Disziplinen und eine Spaßdisziplin abgefahren. Es gibt 100 m Sprint, 100 m Slalom, Pfahlzug, bei dem die Kraft, die ein Boot aus dem Stand schafft, über 30 Sekunden gemittelt wird, Forward Stop Backward (FSB), bei dem 50 m vorgefahren wird, dann wird aufgestoppt und anschließend 50 m rückwärtsgefahren. Zum Schluss haben wir noch 10 m Beschleunigungsrennen und 5 bis 10 km Langstrecke. Bei Sprint, Slalom und FSB gibt es jeweils drei Wiederholungen mit einem Qualifizierungsrennen und dann einem Halbfinale sowie einem Finale. Die Spaßdisziplin ist etwas selbst Ausgedachtes, das der ganzen Veranstaltung eine besondere Note gibt. In Kiel (Sailing City) gab es entsprechend ein 100 m Segelrennen, das Segel wurde dann in ca. 1 h aus einer Plane und einem Stück Holz zusammengepfuscht.

 

Die Grundregeln der IWR sind denkbar einfach: Das Boot soll maximal 6 Meter lang sein, nicht breiter als lang und die Kraft muss aus den Beinen kommen. Gewonnen hat am Ende das Team mit der besten Gesamtplatzierung. Rostock hat mit dem Boot AnnaX zwei Einzeldisziplinen und den Gesamtsieg gewonnen (wobei das X ein griechisches Chi ist und zumeist als „Anarchie” gebrüllt wird, eine humoristische Antwort auf das Boot Imperator vom Hamburger Team).

 

Foto: Arthur Nell

Bei dem Rennen finden sich ca. 300 Studierende aus ganz Europa. Moskau und Istanbul haben auch noch ein Team, aber jedes war aus ihrem ganz eigenen Grund leider verhindert. Die meisten Teams kommen aus Deutschland. An den Schiffbauuniversitäten und Hochschulen haben sich im Laufe der Zeit Tretbootteams gegründet. Rostock ist seit Ende der 1980er dabei, das erste Boot hieß Anna und ist noch heute im großen Hörsaal der Albert-Einstein-Straße 2 zu bewundern.

 

Das „Waterbike Team University of Rostock“ hat insgesamt drei aktive Boote, jedes mit einer sehr individuellen Note. Rollo, ein Katamaran mit Flossenantrieb, Renate, ein altes Schleppmodell und AnnaX, auf dem seitlich gesessen wird, um mit den Ketten direkt auf die Hauptwelle treten zu können, ohne Getriebe oder Differential oder Ähnliches.

 

Die Teammitglieder sind Studierende aus allen Fachbereichen der Uni, aber hauptsächlich Maschinenbau und Schiffstechnik. An der MSF ist das Team auch beheimatet. In den Kellergebäuden des Seminargebäudes bauen wir die Boote, und an der Wassersportanlage der Uni Rostock wird aktuell trainiert. So haben Studierende die Möglichkeit, neben ihrem Studium ihr theoretisch erlangtes Wissen praktisch anzuwenden und nebenbei noch viele Kontakte zu knüpfen. Auch die deutsche Schiffsbauindustrie sponsert und beobachtet die IWR.

 

Was möchte ich euch auf den Weg mitgeben? Unsere Uni bietet den Studierenden viele Möglichkeiten neben dem reinen Studium aktiv zu werden, und Tretboote sind nicht gleich die langsamen Schwäne auf dem Badesee, sondern können auch noch viel mehr.

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